11. Juli 2017, 22:53 Uhr

Trumps Sohn unter Druck

11. Juli 2017, 22:53 Uhr

US-Präsident Donald Trump gerät in der Russland-Affäre wegen eines Treffens seines ältesten Sohnes mit einer russischen Anwältin ebenso wie dieser unter Druck. Donald Trump jr. veröffentlichte gestern einen E-Mail-Wechsel mit dem Publizisten Rob Goldstone, der nach seinen Angaben zu der Begegnung mit der Anwältin führte. Daraus geht hervor, dass ihm belastende Infos über die Konkurrentin seines Vaters, Hillary Clinton, in Aussicht gestellt wurden, die von der russischen Regierung stammen sollen.

Nach Bekanntwerden der E-Mails von Trump junior ließ Vizepräsident Mike Pence über seinen Anwalt Marc Lotter umgehend eine Erklärung veröffentlichen, in der er sich von der Angelegenheit distanziert. Pence habe von dem Treffen von Trump junior mit der Anwältin nichts gewusst. Pence konzentriere sich zudem nicht auf den zurückliegenden Wahlkampf. »Besonders nicht auf Dinge, die vor der Zeit lagen, als er selbst zum Team gestoßen ist«, heißt es in der Erklärung. Dies wurde in Washington als ein erstes Anzeichen für eine mögliche Absetzbewegung des Vizepräsidenten von Trump gewertet.

Nach den veröffentlichten Dokumenten meldete sich Goldstone am 3. Juni 2016 bei dem Sohn Trumps. Ein Klient habe ihn kontaktiert, weil ein russischer Staatsanwalt sich mit dem Vater des Klienten getroffen habe und diesem Dokumente und Informationen über Clinton für Trumps WahlkampfTeam angeboten habe. »Das sind offensichtlich hochrangige und sensible Informationen, aber es ist Teil der Unterstützung Russlands und der Regierung für Trump ...«, heißt es in der E-Mail weiter. Trump jr. antwortete am selben Tag: »Es sieht so aus, als ob wir Zeit hätten, und wenn es das ist, was du sagst, liebe ich es, besonders später im Sommer.« In dem weiteren Schriftverkehr vereinbarten beide dann einen Termin. Goldstone erwähnt in diesem Zusammenhang eine »Anwältin der russischen Regierung«.

Natalia Veselnitskaja, die Anwältin, mit der sich der 39 Jahre alte Sohn Trumps am 9. Juni 2016 getroffen hat, bestritt, jemals für den Kreml gearbeitet zu haben. Mit der Veröffentlichung der E-Mails reagierte Trump jr. auf einen Bericht der »New York Times«. Die Zeitung hatte am Montagabend geschrieben, dass Goldstones E-Mail darauf hindeute, dass die russische Regierung Quelle der potenziell schädlichen Informationen gewesen sei. US-Geheimdienste beschuldigen Moskau, hinter Attacken auf E-Mail-Konten der Demokraten zu stehen. Dabei gestohlene Daten wurden im Juli 2016 von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht. Die amerikanischen Geheimdienste werfen dem Kreml vor, sich auf diese Weise in den Wahlkampf eingemischt zu haben, um Trump zu helfen und seiner Konkurrentin Hillary Clinton zu schaden. Ein Sonderermittler und mehrere Kongressausschüsse untersuchen, ob es dabei Absprachen mit Trumps Wahlkampflager gab.

Veselnitskaja sagte dem Sender MSNBC, sie habe keine Verbindungen zum Kreml. Sie habe auch kein Material über Clinton gehabt. »Ich war niemals im Besitz von schädlichen oder sensiblen Informationen über Hillary Clinton. Sie habe auch nicht um das Treffen gebeten. Der Kreml hatte bereits am Montag erklärt, man kenne die Anwältin nicht.

Präsident Trump erfuhr nach Angaben einer Sprecherin erst in den vergangenen Tagen von dem Treffen. Bei dem Gespräch im Juni waren neben seinem Sohn auch sein Schwiegersohn Jared Kushner und der damalige Vorsitzende der Wahlkampagne, Paul Manafort, anwesend. Trump jr. war am gestrigen Dienstag erneut bemüht, die Begegnung herunterzuspielen. Die Medien und die Demokraten hätten es extrem auf die »Russlandgeschichte« abgesehen, schrieb er auf Twitter. »Wenn dieses Nonsens-Treffen alles ist, was sie nach einem Jahr haben, verstehe ich die Verzweiflung!« Er werde aber mit den Ermittlern zusammenarbeiten. (Seite 4)

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