13. Oktober 2019, 23:26 Uhr

Syrische Armee greift ein

13. Oktober 2019, 23:26 Uhr
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Von DPA
Im Fokus der Kämpfe standen am Sonntag die syrischen Grenzstädte Ras al-Ain und Tall Abjad. Rund 130 000 Menschen sollen bereits aus der Region vertrieben worden sein. (Foto: AFP)

Berlin/Ankara/Damaskus (dpa). Angesichts erbitterter Gefechte der türkischen Armee mit Kurdenmilizen in Syrien hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zum sofortigen Stopp der Militäroffensive aufgefordert. Die Kanzlerin habe sich am Sonntag in einem Telefonat mit Erdogan für eine »umgehende Beendigung der Militäroperation« ausgesprochen, teilte eine Regierungssprecherin mit.

Als Reaktion auf den Einmarsch stoppte Deutschland seine Rüstungsexporte an den NATO-Partner teilweise. Auch EU-Sanktionen gegen die Türkei schienen am Sonntag möglich. Die USA ziehen derweil weiter Soldaten aus dem Gebiet zurück, in das die Türken vordringen. Die syrische Regierung schickt nun dagegen Truppen in die Region. Die syrische Armee werde im Norden der »türkischen Aggression auf syrischem Boden entgegentreten«, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana gestern.

Merkel warnte Erdogan, dass die Offensive ungeachtet berechtigter türkischer Sicherheitsinteressen zur Vertreibung größerer Teile der lokalen Bevölkerung führen könnte. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, rund 780 Unterstützer des Islamischen Staates seien nach Beschuss durch mit der türkischen Armee verbundenen Milizen aus dem Lager Ain Issa ausgebrochen. Anwohner berichteten, dass einige sich auf den Weg nach Al-Rakka gemacht hätten, der früheren Hochburg des IS.

Erdogan zeigt sich unbeeindruckt

Rund 130 000 Menschen wurden laut UN-Angaben seit Beginn der Offensive am Mittwoch vertrieben. Im Fokus der Kämpfe standen am Sonntag die syrischen Grenzstädte Ras al-Ain und Tall Abjad.

Mögliche EU-Sanktionen gegen die Türkei sollen heute Thema bei einem Außenministertreffen in Luxemburg und am Donnerstag beim EU-Gipfel in Brüssel werden. Die USA behält sich Sanktionen ebenfalls weiterhin vor. US-Präsident Trump ordnete den Rückzug weiterer Soldaten aus dem Konfliktgebiet an. Es bestehe die Gefahr, dass die USA zwischen zwei sich gegenüberstehende Armeen gerieten, sagte Verteidigungsminister Mark Esper dem TV-Sender CBS.

Erdogan zeigte sich von drohenden Sanktionen unbeeindruckt. Wer glaube, die Türkei werde wegen Wirtschaftssanktionen oder Waffenembargos von ihrem Weg abweichen, irre sich, sagte Erdogan am Sonntag. Die Türkei sei ein NATO-Partner und die Kurdenmiliz YPG, gegen die die Offensive läuft, eine »Terrororganisation«.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu drohte im Interview der Deutschen Welle erneut damit, Millionen syrische Flüchtlinge aus der Türkei über die Grenze nach Europa zu lassen: »Natürlich liegt diese Option auf dem Tisch.« (Seite 4)



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