22. Juni 2020, 23:00 Uhr

Standards für unabhängige Aufklärung

22. Juni 2020, 23:00 Uhr

Bonn/Berlin - Knapp zwei Monate nachdem die katholischen deutschen Bischöfe sich auf die Einrichtung unabhängiger Kommissionen zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals geeinigt haben, ist die entsprechende Erklärung auch offiziell unter Dach und Fach.

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Stephan Ackermann, und der Missbrauchsbeauftragte der Bundesrepublik, Johannes-Wilhelm Rörig, unterschrieben am Montag eine »Gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland«.

Ende April hatte der Ständige Rat der DBK sich verbindliche Kriterien und Strukturen für eine umfassende und unabhängige Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz unter Einbeziehung von Betroffenen verständigt. Kernpunkt der Vereinbarung ist die Einrichtung unabhängiger Aufarbeitungskommissionen in jedem einzelnen Bistum in Deutschland. Rörig sprach damals von einer »historischen Entscheidung«.

»Diese gemeinsame Erklärung ist die entscheidende Grundlage für eine transparente Aufarbeitung und beispielgebend für andere gesellschaftliche Akteure«, sagte Rörig laut Mitteilung. Ackermann betonte: »Die Aufarbeitungsprozesse, die mit dem heute unterzeichneten Text angestoßen werden, gehören zu der institutionellen Verantwortung, die die Bischöfe und Diözesen für begangenes Unrecht übernehmen.«

Wie konkret die Vereinbarung umgesetzt werden soll, ist in vielen Bistümern unterdessen noch unklar. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Bistümern in Bayern und Nordrhein-Westfalen im Mai ergab, gibt es dort bislang kaum genaue Pläne. Einige Diözesen erwägten sogar, sich mit anderen zusammenzutun.

Der Jesuitenpater Klaus Mertes nannte diesen Weg in einem Beitrag für die in Freiburg erscheinende »Herder Korrespondenz« falsch und die Verhandlungen zwischen der DBK und Rörig ein »jahrelanges Pingpongspiel«, das »zusätzlich das Ansehen dessen, was ja tatsächlich schon auf den Weg gebracht wurde«, mindere.

Mertes fordert in seinem Gastbeitrag eine staatliche Kommission zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche. dpa

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