27. Juli 2017, 23:00 Uhr

Schock nach Absturz in Mali

27. Juli 2017, 23:00 Uhr

Nach dem Tod von zwei Bundeswehrsoldaten beim Absturz eines »Tiger«- Kampfhubschraubers im Norden Malis suchen Experten nach der Ursache des Unglücks. Das Team landete am Donnerstagabend in der Stadt Gao, um unter anderem den Flugschreiber auszuwerten. Politiker von Koalition und Opposition forderten eine rasche und vollständige Aufklärung des Vorfalls. Die beiden getöteten Soldaten stammten aus Gudensberg und Neuental in Nordhessen und waren in der Georg-Friedrich-Kaserne in Fritzlar stationiert.

Der Kampfhubschrauber, der im März mit weiteren Helikoptern auf dem Stützpunkt in Gao angekommen war (Foto), war am Mittwoch bei einem Einsatzflug 70 Kilometer nördlich von Gao abgestürzt und sofort ausgebrannt. Die zweiköpfige Besatzung – ein Pilot und ein Schütze – kam ums Leben. Es sind die ersten Todesfälle von Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz seit 2015.

Der Einsatz in Mali gilt seit Längerem als der derzeit gefährlichste der Truppe. Der Norden des westafrikanischen Landes war 2012 vorübergehend in die Hände islamistischer Extremisten und anderer Rebellengruppen gefallen. Gruppierungen wie El-Kaida terrorisieren den Norden Malis schon lange. An der dortigen UN-Mission Minusma beteiligen sich derzeit 875 Bundeswehrsoldaten. Die Truppe ist in der ehemaligen Rebellenhochburg Gao stationiert. Bislang waren die deutschen Soldaten dort aber unversehrt geblieben. Einen Hinweis auf einen Abschuss des Hubschraubers gab es bislang nicht. Der UN-Mission zufolge deuten Erkenntnisse auf technisches Versagen hin.

Der Pilot eines zweiten »Tigers«, der unmittelbar hinter dem Unglückshubschrauber flog, berichtete nach Informationen des »Spiegel«, der »Tiger« sei »urplötzlich und ohne einen Notruf mit der Nase nach vorne abgekippt und dann sofort im Sturzflug zu Boden gegangen«.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag, Henning Otte, teilte mit: »Dieser Unglücksfall führt uns erneut den vollen Umfang des Gefahrenpotenzials vor Augen, das mit dem UN-Einsatz in Mali verbunden ist.« Die Ursache des Absturzes müsse möglichst schnell und lückenlos aufgeklärt werden. Ähnlich äußerte sich SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold. Die Abgeordneten müssten einen »genauen, exakten Bericht ohne Beschönigungen erhalten, welcher Defekt da tatsächlich vorliegt und welche strukturellen Konsequenzen das möglicherweise hat«, sagte er der dpa. Arnold sprach sich – auch wegen des Absturzes – für eine Sondersitzung des Verteidigungsausschusses im September aus.

Ging der »Tiger« aufgrund technischer Mängel zu Boden, könnte das auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Bedrängnis bringen. Mit dem Hubschrauber gab es zuletzt immer wieder Probleme, er galt lange als pannenanfällig. Bedenken gab es auch wegen der Einsatzbereitschaft der Maschinen in der westafrikanischen Hitze. Der Bundeswehr fehlen zudem Piloten, um das Gerät zu fliegen – und um künftige Piloten auszubilden. Die 18 Piloten, die der Bundeswehr derzeit zur Verfügung stehen, würden der hohen zeitlichen Belastung nicht mehr standhalten, hieß es im Juni in einem internen Bericht des Kommandos Heer, aus dem der »Spiegel« zitiert hatte.

Die Grünen-Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger erklärte: »Das ist tragisch und schrecklich und meine Gedanken und mein Mitgefühl sind bei den Angehörigen, den Freunden und Kameraden.« Die Linke stellte den Mali-Einsatz generell infrage »aufgrund vielfältiger Gründe, dazu gehört auch die Gefährdung des Lebens von Soldaten« (Seite 5). (dpa/Foto: dpa)

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