06. Juni 2017, 22:32 Uhr

Scheinvaterschaften als Geschäftsmodell

06. Juni 2017, 22:32 Uhr

Berlin (dpa). Deutsche Männer sollen in zahlreichen Fällen zum Schein Vaterschaften anerkannt und dafür von Asylbewerberinnen bezahlt worden sein. Auf diesem Weg erhielten die schwangeren Frauen oder Mütter Bleiberecht in Deutschland. Das Bundesinnenministerium schätzt die Zahl der Fälle bundesweit auf eine Größenordnung im mittleren vierstelligen Bereich, also etwa 5000 Fälle pro Jahr. Die entsprechenden Gesetze wurden gerade geändert, die Neuerungen sind allerdings noch nicht in Kraft. Künftig dürfen Ausländerbehörden bei Missbrauchsverdacht dann eine Prüfung einleiten und eine betrügerische Vaterschaftsanerkennung verhindern. Der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Ole Schröder (CDU), erklärte gestern: »Das Geschäftsmodell der Aufenthaltserschleichung mittels Scheinvaterschaften ist ein bundesweites Phänomen. Wir gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.«

Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft werden monatlich eine Vielzahl von Fällen festgestellt. »Wir haben teils Personen, die über zehn Vaterschaften anerkannt haben«, sagte ein Sprecher dem Sender RBB. Die Schwangeren bezahlen demnach teils mehrere Tausend Euro an die Männer. Die neugeborenen Kinder erhalten automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft. Die Männer zahlen keinen Unterhalt, weil sie oft arbeitslos sind. Das übernimmt der Staat. Der RBB berichtete von einem Frauenhaus, in dem 70 schwangere Frauen aus Vietnam wohnen. Viele Frauen kommen dem Bericht zufolge auch aus Afrika und Osteuropa.

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