06. April 2017, 22:32 Uhr

SPD umgarnt FDP

06. April 2017, 22:32 Uhr
Einmal die Köpfe zusammenzustecken wie einst auf dem Foto Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD, l.) und Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP). Das würde SPD-Chef Martin Schulz anscheinend gern mit FDP-Chef Christian Lindner. (Foto: dpa)

Berlin (dpa). Mit auffälligen Avancen an die FDP hat die SPD-Spitze Debatten über eine Ampelkoalition nach der Bundestagswahl angeheizt. Kanzlerkandidat Martin Schulz betonte die Verdienste der 1982 zerbrochenen SPD/FDP-Regierung: »Die sozialliberale Koalition auf Bundesebene hat Deutschland ganz sicher moderner und demokratischer gemacht«, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Über den Koalitionsbruch der FDP am Ende der Regierungszeit von SPD-Kanzler Helmut Schmidt 1982 sagte Schulz: »Das ist alles Vergangenheit.«

Feindbilder eingepackt

Auch zur strategischen Ausrichtung der heutigen FDP unter Parteichef Christian Lindner äußerte sich der Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wohlwollend. »Christian Lindner hat erklärt, die FDP wolle keinen Steuerwahlkampf führen. Das finde ich bemerkenswert«, so der SPD-Chef. Er selbst werde sich darauf konzentrieren, seine Partei bei der Bundestagswahl am 24. September zur stärksten Kraft zu machen. Aber: »Mit Christian Lindner werde ich mich bestimmt auch mal treffen.«

Der FDP-Chef lehnte es indes ab, sich an Koalitionsdebatten zu beteiligen. Lindner sagte den Dortmunder »Ruhr Nachrichten«: »Ich freue mich, wenn die SPD ihre alten Feindbilder einpackt. Natürlich werde ich Herrn Schulz genauso treffen wie Frau Merkel.« Inhaltlich ging er auf Abstand: »Wenn die SPD also vor allem über Steuererhöhungen sprechen will, dann werden die Gespräche kurz.« Noch deutlichere Distanz zeigte der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki: »Der Schulz-Effekt hat ganz offensichtlich seinen Zenit überschritten«, schrieb er in einem Gastbeitrag für das »Handelsblatt«. »Denn sonst gäbe es keinen logischen Grund, warum die deutsche Sozialdemokratie nach der in die Hose gegangenen Saarland-Wahl eine Debatte über mögliche Koalitionsoptionen anzettelt.«

Neben Schulz hatte auch SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann dem FDP-Vorsitzenden Respekt gezollt: »Herr Lindner bemüht sich, nicht länger am Rockzipfel von Frau Merkel zu hängen und Brücken zu anderen Parteien aufzubauen. Das finde ich richtig«, sagte er der »Rheinischen Post«.

Die Debatte über eine Zusammenarbeit von Sozialdemokraten und FDP hatte nach der Wählerabsage an ein rot-rotes Bündnis im Saarland Fahrt aufgenommen.

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