20. Februar 2020, 22:56 Uhr

Ringen um Kompromiss

20. Februar 2020, 22:56 Uhr

Brüssel - Im Streit über den milliardenschweren EU-Haushalt haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Kollegen bei einem Sondergipfel in Brüssel versucht, ihre tiefen Gräben zu überbrücken. Ob eine Einigung möglich ist, soll sich aber frühestens am heutigen Freitag entscheiden, wie EU-Diplomaten am Abend sagten.

Ratspräsident Charles Michel führte Einzelgespräche in Serie mit den 27 Staats- und Regierungschefs, um in der Nacht einen neuen Kompromissvorschlag zu erarbeiten. Es geht um den siebenjährigen Haushaltsrahmen für die Jahre 2021 bis 2027 im Umfang von gut einer Billion Euro. Von EU-Geldern profitieren Millionen Landwirte, Kommunen, Unternehmen, Studenten und andere Bürger, auch in Deutschland. Umstritten waren aber zunächst noch alle zentralen Fragen: Wie viel überhaupt auf europäischer Ebene ausgegeben werden soll und wofür, wer wie viel einzahlt und ob die EU neue Einnahmequellen bekommen soll. Eine Lösung ist diesmal besonders schwierig, weil nach dem Brexit die britischen Beiträge fehlen. Merkel sprach zum Gipfelstart von großen Differenzen und äußerte sich selbst unzufrieden über den Verhandlungsstand. Auch viele andere der 27 Länder präsentierten Nachforderungen aller Art. In einer ersten Runde hätten die Gipfelteilnehmer vor allem ihre innenpolitische Situation noch einmal in strukturierter Form dargestellt, sagten EU-Diplomaten. Die Atmosphäre sei konstruktiv, hieß es. Doch von Ergebnissen oder Bewegung war noch keine Rede.

Ratschef Michel hatte vorige Woche einen Kompromissvorschlag gemacht, der nicht nur bei Merkel auf Unmut traf. Er sah vor, dass die EU-Staaten 1,074 Prozent der Wirtschaftsleistung ins Gemeinschaftsbudget einzahlen. Deutschland und andere Nettozahler wie Dänemark, Schweden, Österreich und die Niederlande wollen einen Deckel bei 1,0 Prozent und pochen zudem auf Rabatte.

Zu den besonderen Interessen Deutschlands zählten weitere EU-Hilfen für die ostdeutschen Bundesländer und Investitionen in Forschung und Entwicklung, aber auch in Grenzschutz und Migrationssteuerung. dpa

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