28. Juli 2020, 23:15 Uhr

RKI befürchtet Trendwende

28. Juli 2020, 23:15 Uhr

Berlin - Eine zunehmende Zahl an neu gemeldeten Corona-Fällen lässt das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Trendumkehr in Deutschland befürchten. In den vergangenen sieben Tagen seien 3611 Infektionen gemeldet worden, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag in Berlin. Die neueste Entwicklung bereite »große Sorgen«. Als Ursache für den Anstieg nannte Wieler Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln. Ob es sich um den Beginn einer möglichen zweiten Welle handle, könne man nicht wissen, aber es könne sein.

Bis vor einiger Zeit habe man es geschafft, die Fallzahlen stabil bei täglich neu gemeldeten 300 bis 500 Fällen zu halten, führte der RKI-Chef aus. Inzwischen sehe es anders aus: Am Freitag etwa kamen 815 Fälle hinzu, am Samstag mehr als 700 und am Dienstag mehr als 600.

Im Unterschied zu den vergangenen Wochen mit einzelnen großen Ausbrüchen wie beim Schlachtbetrieb Tönnies sei die Lage derzeit diffus, schilderte RKI-Expertin Ute Rexroth, Leiterin des Fachgebiets Surveillance. Zu Übertragungen komme es »wirklich überall«: bei Familienfeiern, Treffen mit Freunden, am Arbeitsplatz, in Gemeinschaftsunterkünften, Altenheimen und Einrichtungen des Gesundheitswesens, wo schwere Verläufe zu erwarten seien. Auch wenn Fälle von Reise-rückkehrern verzeichnet werden: Der größte Teil der Betroffenen habe sich in Deutschland angesteckt, sagte Rexroth.

Das Auswärtige Amt rät wegen der Corona-Pandemie von nicht notwendigen touristischen Reisen in mehrere Urlaubsgebiete im Norden Spaniens ab. Betroffen sind die Regionen Katalonien, Aragón und Navarra, in denen sich beliebte Touristenziele wie die Costa Brava, die Stadt Barcelona und die Pyrenäen befinden. Das Amt begründete seinen Schritt am Dienstag mit erneut hohen Infektionszahlen.

Kurz vor dem Ende der Sommerferien in einigen Bundesländern ist die Skepsis groß, ob es mit der geplanten Rückkehr in den Regelbetrieb an den Schulen klappt. Nach Ansicht des Deutschen Lehrerverbandes sind die Schulen dafür nicht ausreichend vorbereitet.

Unterstützung für die Bundesländer mit Blick auf deren Planungen für eine Rückkehr in den Regelbetrieb kam von der Bundesärztekammer. Ohne ausreichend Unterricht über einen längeren Zeitraum drohten Kindern »enorme Folgeprobleme«, sagte der Ärztekammerpräsident Klaus Reinhardt.

Tönnies will derweil nach heftiger Kritik an den Unterkünften für Arbeiter der Fleischindustrie rund 70 Häuser mit bis zu 1500 Wohnungen bauen. Ziel sei es, Werkvertragsarbeitern, die künftig fest beim Unternehmen angestellt werden sollten, »güns- tige und gut ausgestattete Wohnungen nach einem festen Standard« bereitzustellen, kündigte der Fleischkonzern gestern an. dpa/AFP » Seiten 4 + 5

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