03. September 2017, 23:20 Uhr

Punktsieg für Merkel

03. September 2017, 23:20 Uhr

Berlin (dpa). Drei Wochen vor der Bundestagswahl hat SPD-Herausforderer Martin Schulz beim einzigen Fernsehduell versucht, Kanzlerin Angela Merkel bei Themen wie Flüchtlinge und Rente in Bedrängnis zu bringen. Doch ob das TV-Duell der in Umfragen gebeutelten SPD die Trendwende bringen kann, ist fraglich. In Blitzumfragen von ARD und ZDF lag die CDU-Vorsitzende nach der Halbzeit der Sendung knapp vorne.

Schulz warf der Kanzlerin am Sonntagabend schwere Fehler in der Flüchtlingskrise vor. Merkel habe sich im Herbst 2015 nicht mit den europäischen Partnern abgestimmt. Wenn sie sage, sie würde alles wieder so machen wie damals, könne er nur sagen: »Dazu würde ich nicht raten.« Merkel verteidigte ihre Entscheidung von vor zwei Jahren, in Ungarn festsitzenden Migranten und Flüchtlingen den Weg nach Deutschland zu ebnen. Sie habe im übrigen ihren Kurs mit dem damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel (beide SPD) abgestimmt.

Im ZDF sagten 33 Prozent, Merkel sei besser gewesen. Schulz, der sich angriffslustiger zeigte, kam auf nur 24 Prozent. 43 Prozent der Befragten waren unentschieden. Diese Umfrage wurde zur Halbzeit des Duells gemacht. Auch in einer ersten ARD-Umfrage lag Merkel zur Halbzeit vorn. 44 Prozent sagten, sie sei überzeugender gewesen.

Schulz mahnte trotz der positiven Wirtschaftslage mehr soziale Gerechtigkeit an. »Ja klar ist Deutschland ein wohlhabendes Land, aber nicht alle Menschen in unserem Land sind wohlhabend.« Er nannte als Beispiele kostenlose Kitas und Reformen, um sinkende Renten zu verhindern. Merkel sicherte zu, dass es mit ihr keine Rente mit 70 geben werde. Merkel warf der Autobranche in Zusammenhang mit zu hohen Abgaswerten von Dieselfahrzeugen »Vertrauensbruch« vor. »Ich bin stocksauer.« Die Industrie müsse den Schaden wieder gut machen. Schulz sagte, Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge, von denen unter anderem Handwerker getroffen würden, müssten vermieden werden.

Der SPD-Chef relativierte seinen Vorwurf, Merkel unternehme mit ihrer inhaltsarmen Politik einen »Anschlag auf die Demokratie«. Dies sei eine »harte Formulierung« gewesen. Er bekräftigte allerdings, sie scheue die Kontroverse, was den rechten Rand stärke. Die CDU-Chefin widersprach. (Seite 4)

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