04. Mai 2020, 22:26 Uhr

Mit drei Kindern zum IS

04. Mai 2020, 22:26 Uhr
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Von DPA

Hamburg Eine Mutter, die mit drei kleinen Kindern in das Gebiet des Islamischen Staates reist und dort ihrem Mann und IS-Kämpfer den Haushalt führt - ist das eine Terroristin? Darüber verhandelt seit gestern der 3. Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg. Die Bundesanwaltschaft wirft der 35-jährigen Deutschtunesierin Omaima A. nicht nur die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor, sondern auch einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, weil sie ein Sturmgewehr besessen habe.

Andere Frauen zum Anschluss an IS aufgefordert

Zum Auftakt ihres Strafprozesses ließ die Witwe die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft durch ihren Anwalt zurückweisen. Sie habe ihre Kinder betreut und den Haushalt geführt, erklärte der Anwalt Tarig Elobied. Das sei ihre Pflicht gewesen. Der Anwalt nannte es »absurd«, daraus eine kriminelle Tat zu konstruieren.

Die gebürtige Hamburgerin wird ferner des Menschenhandels und eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit beschuldigt, weil sie eine 13-jährige Jesidin zeitweise als Sklavin in ihrem Haushalt gehalten haben soll. Omaima A. lebte mit ihren Kindern - im Alter von damals acht und zwei Jahren sowie acht Monaten - ab Januar 2015 in der IS-Hochburg Rakka. Indem sie die Kinder in ein Kampfgebiet mitnahm, habe sie ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht gröblich verletzt, heißt es in der Anklage. Per E-Mail habe sie Frauen in Deutschland aufgefordert, sich der Terrororganisation anzuschließen.

Die älteste Tochter stammte aus einer geschiedenen Ehe, die beiden anderen Kinder von ihrem Ehemann, der aus Frankfurt stammte und sich dem IS angeschlossen hatte. Nach dem Tod dieses Mannes bei einem Luftangriff habe sie dessen Freund Denis Cuspert geheiratet, der als Rapper unter dem Namen Deso Dogg bekannt war, und sei mit ihm in die syrische Stadt Homs gegangen. Cuspert hatte sich 2014 dem IS angeschlossen. Der frühere Rapper wurde Medienberichten zufolge im Januar 2018 in Syrien bei einem Luftangriff getötet. dpa



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