08. Juni 2017, 23:21 Uhr

May laut Prognose vorn

08. Juni 2017, 23:21 Uhr
Avatar_neutral
Von DPA

Die konservative Partei von Premierministerin Theresa May ist bei der britischen Unterhauswahl einer ersten Prognose zufolge stärkste Partei geworden. Nach der Wählerbefragung kommen die regierenden Tories auf 314 der 650 Sitze. Die mehr als 40 000 Wahllokale in England, Schottland, Wales und Nordirland schlossen gestern Abend um 23.00 Uhr (MESZ). Vor allem in London zeigte die Polizei während der Wahl nach dem Terroranschlag mit mehreren Toten am vorigen Wochenende mehr Präsenz.

Innere Sicherheit im Fokus

Premierministerin Theresa May und ihre Konservativen hatten vor wenigen Monaten in Umfragen noch weit vor der Labour-Partei um Jeremy Corbyn gelegen. Zuletzt hatte sich der Abstand aber stark verringert. Dabei hatte May sich von der Wahl eine deutlichere Mehrheit der Tories und damit einen stärkeren Rückhalt für die Brexit-Verhandlungen in Brüssel erhofft. Sie setzt auf einen harten Ausstieg – also mit möglichst wenig Zugeständnissen an die EU – und hatte in der Vergangenheit mit einem Scheitern der Gespräche gedroht.

Doch im Fokus des Wahlkampfes stand weniger der EU-Austritt als die innere Sicherheit des Landes, nachdem Großbritannien binnen kurzer Zeit dreimal Schauplatz von Terroranschlägen geworden war. Die Opposition hatte May etwa für ihre Aussage kritisiert, im Kampf gegen den Terror notfalls auch Menschenrechte einzuschränken.

Zuletzt hatten ihre Konservativen in manchen Befragungen nur noch einen Punkt vor der Labour-Partei gelegen. Nach der jüngsten am Wahltag veröffentlichten Umfrage von Ipsos Mori für die Abendzeitung »Evening Standard« hatte Mays Partei mit 44 Prozent der Stimmen dagegen acht Punkte Vorsprung vor Labour mit 36 Prozent.

»Jede Stimme zählt«, twitterte May wenige Stunden vor der Schließung der Wahllokale. »Zusammen können wir den besten Brexit-Deal sichern und ein stärkeres Großbritannien aufbauen.« Zuvor hatte Labour-Chef Jeremy Corbyn geschrieben: »Labour wird ein Großbritannien aufbauen, das #FürDieVielen funktioniert, nicht die wenigen.«

Prominente und Politiker riefen die rund 46,9 Millionen wahlberechtigten Briten gestern zur Stimmabgabe auf. »Die Wahl heute ist so wichtig. Bitte nehmt euch die Zeit zu wählen«, erklärte Londons Bürgermeister Sadiq Khan auf Twitter.

Bei vielerorts regnerischem Wetter konnten die Bürger nicht nur in Schulen, Kirchen und Gemeindehallen ihr Kreuzchen machen, sondern etwa auch in Boxclubs, Wohnwagen auf einem Bauernhof und sogar im Pub. Offizielle Zahlen zur Beteiligung gab es am Abend nicht, 2015 hatte sie am Ende bei gut 66 Prozent gelegen. Die Auszählung der Stimmbezirke sollte wohl die ganze Nacht dauern – wohl noch ohne belastbaren Trend. Das Endergebnis der Wahl soll aber voraussichtlich erst am heutigen Nachmittag vorliegen.

Die EU-Kommission wollte sich am Donnerstag nicht zu der Wahl äußern. Mit Blick auf die Brexit-Verhandlungen sagte ein Sprecher in Brüssel nur: »Wir sind bereit.« EU-Politiker hatten die Hoffnung geäußert, dass ein eindeutiges Wahlergebnis die bis März 2019 terminierten Verhandlungen über ein Austrittsabkommen vereinfachen könnte. Kommt es zu einem Wahlsieg der Labour-Partei, dürfte sich der für die Woche ab dem 19. Juni anvisierte Beginn der Gespräche verzögern. (dpa/Foto: dpa)



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos