08. März 2020, 22:27 Uhr

»Macht die Tore auf«

08. März 2020, 22:27 Uhr
Kinder aus Syrien schlafen an einem Busbahnhof nahe der türkisch-griechischen Grenze. Tausende von Flüchtlingen und anderen Migranten haben in der vergangenen Woche versucht, nach Griechenland zu gelangen. FOTO: DPA

Athen/Istanbul/Brüssel - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Griechenland aufgerufen, die vielen Migranten an der gemeinsamen Grenze durchzulassen: »Macht die Tore auf!« Er selbst hatte am 29. Februar verkündet, die türkische Grenze sei für Migranten geöffnet. Tausende hatten sich auf den Weg gemacht, viele harren immer noch im Grenzgebiet aus - umnebelt von Tränengas und Rauchbombenschwaden.

Zur Entschärfung des Migrationsstreits mit der EU reist Erdogan heute zu Gesprächen nach Brüssel. Dort werde er um 18 Uhr EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und EU-Ratschef Charles Michel treffen, teilte dessen Sprecher am Sonntag auf Twitter mit und bestätigte damit Medienberichte. Es solle um Angelegenheiten zwischen der EU und der Türkei gehen - unter anderem auch um Migration und die Lage im Bürgerkriegsland Syrien. Michel und von der Leyen dürften bei den Gesprächen versuchen, die Türkei wieder zur Einhaltung des 2016 geschlossenen EU-Türkei-Abkommens zu bewegen. Erdogan dürfte auf weitere finanzielle Hilfen dringen. Nachdem Ankara am 29. Februar die Grenze zur EU für offen erklärt hatte, ist das Verhältnis beider Seiten äußerst angespannt. Tausende Migranten machten sich auf den Weg Richtung EU; Griechenland wehrte sie mit Härte an den EU-Außengrenzen ab.

Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis bezeichnete den EU-Flüchtlingspakt mit der Türkei als tot: Er wird heute zu einer Konferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin erwartet.

Die Situation an der türkisch-griechischen Grenze war indes weiter extrem angespannt. Immer wieder kam es in der Nacht und am frühen Sonntag zu Attacken von türkischer Seite aus, wie griechische Medien berichteten. Migranten kampierten in einem Waldstück auf der türkischen Seite, ihre Zelte waren von Tränengasschwaden eingenebelt. Einige versuchten, die türkisch-griechische Grenze zu durchbrechen. Die griechische Polizei reagierte darauf mit Wasserwerfern und Tränengas.

Die türkische Küstenwache griff in der Ägäis 121 Migranten auf, die mit Booten versuchten, nach Griechenland zu gelangen. Die griechische Küstenwache habe die Boote zurück in türkische Gewässer abgedrängt, meldete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Am Samstagabend wurde auf Lesbos ein Großteil der Gebäude der Schweizer Hilfsorganisation »One Happy Family« durch einen Brand zerstört. Auch die Schule für Flüchtlingskinder brannte ab. Verletzt wurde niemand. Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans mahnte rasche Unterstützung für Kinder in den überfüllten Flüchtlingslagern in Griechenland an. Etwa 1000 unbegleitete Minderjährige müssten schnell aus den Lagern herausgeholt werden. dpa

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