23. August 2020, 23:28 Uhr

Lukaschenko zeigt sich mit Waffe

23. August 2020, 23:28 Uhr

Minsk - Nach den Massenprotesten in Belarus (Weißrussland) hat sich Staatschef Alexander Lukaschenko bewaffnet und in schusssicherer Weste von einem Hubschrauber in seinen Präsidentenpalast bringen lassen. Staatsmedien zeigten am Sonntagabend einen Hubschrauberrundflug des Präsidenten, der die Demonstranten als »Ratten« bezeichnete.

Das Staatsfernsehen zeigte auch, wie Lukaschenko mit einer Kalaschnikow-Maschinenpistole in der Hand in schwarzer Montur den Hubschrauber verließ und zum Palast ging. Oppositionsnahe Quellen im Nachrichtenkanal Telegram hoben hervor, dass in der Waffe kein Magazin gewesen sei.

Der Palast der Unabhängigkeit, wie er offiziell heißt, glich einer Festung. An den Zufahrten waren gepanzerte Fahrzeuge zu sehen und Einheiten mit Sicherheitskräften. Sie sollten verhindern, dass die wütende Menge den Palast stürmt. Dort hatten sich auch Menschen versammelt.

Mehr als 100 000 Menschen hatten bei einer Großkundgebung den Rücktritt von »Europas letztem Diktator« gefordert. Zuvor war in sozialen Netzwerken darüber spekuliert worden, ob Lukaschenko wegen der Proteste fliehen wolle. Er hat aber immer betont, die Macht nie herzugeben.

Der seit 26 Jahren regierende Lukaschenko hatte sich bei der Präsidentenwahl am 9. August zum sechsten Mal in Folge mit 80 Prozent der Stimmen zum Sieger ausrufen lassen. Das Ergebnis gilt als gefälscht. Seither gibt es landesweit Proteste und Streiks gegen den 65-Jährigen. Lukaschenko hatte betont, notfalls die Armee zur Sicherung seiner Macht einzusetzen und selbst bis zum Tod zu kämpfen.

Tausende Bewohner der baltischen Staaten haben sich am Sonntagabend zu Menschenketten versammelt, um den Demonstranten in Belarus ihre Solidarität zu zeigen. Eine Menschenkette soll über 30 Kilometer von der litauischen Hauptstadt Vilnius bis zur Grenze nach Belarus reichen. Die belarussische Oppositionspolitikerin Sweltlana Tichanowskaja begrüßte die Aktion: »Das bedeutet viel - nicht nur für mich, sondern für das gesamte belarussische Volk, das diese Unterstützung fühlt.« dpa

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