16. August 2020, 22:48 Uhr

Lukaschenko bleibt hart

16. August 2020, 22:48 Uhr
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Von DPA

Minsk - Ungeachtet neuer Massenproteste in Belarus (Weißrussland) kämpft Staatschef Alexander Lukaschenko weiter um seine Macht. »Ich werde es nicht zulassen, dass unser Land aufgegeben wird, selbst wenn ich tot bin«, sagte er am Sonntag.

Erstmals seit Beginn der Demonstrationen gegen den Präsidenten versammelten sich seine Unterstützer. Dabei wurden aber deutlich weniger Menschen gezählt als bei den Aktionen der Opposition. Russland sicherte indes seinem Nachbarn und Verbündeten Belarus Beistand im Ernstfall zu. Lukaschenko telefonierte am Wochenende gleich zweimal mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Während sich der Kreml am Samstag noch zurückhaltend äußerte, fiel die Mitteilung am Sonntag deutlicher aus: Russland habe seine Bereitschaft bekräftigt, »die erforderliche Hilfe bei der Lösung auftretender Probleme zu leisten«.

Eine russische Militärintervention zur Unterstützung Lukaschenkos hält der belarussische Analyst Artjom Schraibman aber für äußerst unwahrscheinlich. »Russland rettet keine stürzenden Regimes mit Streitkräften«, erklärte er in der Nacht zum Sonntag. Möglich sei, dass ein Präsident aus dem Land herausgeholt werde.

Kundgebungen

Lukaschenko, der das Land seit einem Vierteljahrhundert mit harter Hand regiert, hatte sich zum sechsten Mal in Folge zum Wahlsieger ausrufen lassen. Viele Menschen und auch ausländische Beobachter bezweifeln das aber und halten Swetlana Tichanowskaja für die Gewinnerin.

Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahl wischte Lukaschenko beiseite. Auch Neuwahlen lehnte er ab. Stattdessen bat er seine Anhänger um Unterstützung: Zu der Kundgebung ließ er Teilnehmer aus dem ganzen Land nach Minsk bringen. Unabhängige Beobachter sprachen von etwa 10 000 Menschen, die Staatsagentur Belta von 50 000.

Deutlich mehr Menschen beteiligten sich am Sonntag an den Protesten gegen Gewalt und Willkür unter dem Langzeitpräsidenten. Allein in Minsk wurde ihre Zahl auf etwa 100 000 geschätzt. In Videos in oppositionsnahen Kanälen des Nachrichtendienstes Telegram war eine riesige Menschenmenge zu sehen. Es blieb zunächst friedlich. dpa



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