Politik

Längere Waffenruhe für Nordsyrien

Sotschi/Washington (dpa). Russland und die Türkei haben für den Norden Syriens in mehr als sechsstündigen Verhandlungen eine längere Waffenruhe und einen weiteren Abzug der Kurdenmiliz YPG ausgehandelt. Sie vereinbarten zudem gemeinsame Patrouillen in der Region, wie die Außenminister beider Länder am Dienstag in Sotschi mitteilten. Ob sich damit ein Vorschlag von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer für eine international überwachte Pufferzone in Nordsyrien erübrigt, blieb zunächst unklar. Die Feuerpause für den YPG-Abzug, die am Abend enden sollte, wurde um 150 Stunden - oder etwas mehr als sechs Tage - bis kommenden Dienstag verlängert, hieß es nach einem Treffen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit Kremlchef Wladimir Putin.
22. Oktober 2019, 23:13 Uhr
DPA

Sotschi/Washington (dpa). Russland und die Türkei haben für den Norden Syriens in mehr als sechsstündigen Verhandlungen eine längere Waffenruhe und einen weiteren Abzug der Kurdenmiliz YPG ausgehandelt. Sie vereinbarten zudem gemeinsame Patrouillen in der Region, wie die Außenminister beider Länder am Dienstag in Sotschi mitteilten. Ob sich damit ein Vorschlag von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer für eine international überwachte Pufferzone in Nordsyrien erübrigt, blieb zunächst unklar. Die Feuerpause für den YPG-Abzug, die am Abend enden sollte, wurde um 150 Stunden - oder etwas mehr als sechs Tage - bis kommenden Dienstag verlängert, hieß es nach einem Treffen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit Kremlchef Wladimir Putin.

Die beiden Staatschefs hatten in dem Kurort am Schwarzen Meer zuvor mehr als sechs Stunden miteinander verhandelt. Laut der Vereinbarung sollen ab Mittwochmittag russische Militärpolizei und »syrische Grenzwächter« die »Entfernung der YPG-Elemente und ihrer Waffen« aus einem Gebiet bis zu 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt unterstützen. Zudem solle sich die Kurdenmiliz aus dem Gebiet Manbidsch vollständig zurückziehen. Das soll nach rund sechs Tagen vollendet sein.

Nach Kremlangaben telefonierte Putin nach dem Treffen mit Assad. Dieser habe dem Kremlchef gedankt und ihm die volle Unterstützung für die Entscheidung zugesichert.

Erdogan nannte das Memorandum mit zehn Punkten eine »historische Vereinbarung«. Sein Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun twitterte, die Einigung markiere den »Beginn einer neuen Ära« der türkisch-russischen Beziehungen.

Nach US-Angaben hat sich die Kurdenmiliz YPG aus einer von den USA und der Türkei vereinbarten Sicherheitszone in Nordsyrien zurückgezogen. Der Kommandeur der von der YPG dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Maslum Abdi, habe US-Vizepräsident Mike Pence in einem Schreiben darüber informiert, teilte Pences Büro am Dienstag mit. Abdi habe mitgeteilt, dass die SDF-Kämpfer aus dem »relevanten Operationsgebiet« abgezogen seien.

In Deutschland schlug Verteidigungsministerin und CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer in einem überraschenden Vorstoß eine international kontrollierte Sicherheitszone vor. Dies löste eine innenpolitische Debatte aus. Auch der Koalitionspartner SPD beklagte den Alleingang.

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