26. Februar 2017, 23:10 Uhr

Keine Lust auf Dinner

26. Februar 2017, 23:10 Uhr

Washington (dpa). US-Präsident Donald Trump fährt bei seiner Fehde mit etablierten Medien immer schwere Geschütze auf. Die »Fake News Media« würden wissentlich lügen – »eine große Gefahr für unser Land«, twitterte der Republikaner. Zuvor hatte das Weiße Haus am Freitag das tägliches Pressebriefing kurzerhand auf eine Fragerunde mit ausgewählten Medienvertretern begrenzt, darunter einige kleinere Medien, die als sehr konservativ und für ihre positive Berichterstattung über Trump bekannt sind. Angesehene Medienhäuser wie die »New York Times«, »Politico«, die »Los Angeles Times« und der Sender CNN wurden nicht vorgelassen. Dass Trump eine Einladung zum jährlichen Galadinner der im Weißen Haus akkreditierten Journalisten am 29. April ausschlug, überraschte da kaum noch. Wie üblich twitterte Trump seine Entscheidung. Gründe nannte der 70-Jährige nicht.

Bei dem traditionellen Dinner, dessen Teilnehmer Trumps Vorgänger Barack Obama regelmäßig mit launigen Reden zum Lachen brachte, hätte Trump wohl auch mit einem eher frostigen Empfang und etlichen leeren Stühlen rechnen müssen. Vertreter mehrerer Medienhäuser sollen angesichts seiner möglichen Teilnahme bereits erwogen haben, der Gala fernzubleiben.

Der letzte Präsident, der nicht an der Gala teilgenommen habe, sei 1981 Ronald Reagan gewesen, schreibt das »Wall Street Journal«. Er habe sich damals von den Verletzungen nach einem Attentat erholt. Reagan habe sich bei den feiernden Medienvertretern jedoch per Telefon gemeldet.

Die Vereinigung der beim Weißen Haus akkreditierten Journalisten und andere Medienorganisationen kritisierten den Ausschluss kritischer Medien von dem Pressetermin scharf: »Das ist klar eine Eskalation«, zitierte das Nachrichtenportal »Politico« Carlos Lauria von der Internationalen Organisation Committee to Protect Journalists (CPJ). Die Nichtregierungsorganisation warnte vor den Folgen von Trumps Angriffen auf die Presse über die USA hinaus. Dies mache den Umgang mit Ländern wie der Türkei, Äthiopien oder Venezuela, wo Regierungen nichts mehr wollten, als die Presse einzuschüchtern oder zum Schweigen zu bringen, nicht leichter, sagte der stellvertretende Vorsitzende Rob Mahoney der britischen Tageszeitung »The Guardian«. Trump sollte besser als Vorkämpfer der Pressefreiheit auftreten. Sein Krieg mit den Mainstream-Medien in den USA könnte ein Signal an andere Länder senden, dass es in Ordnung sei, Journalisten zu beleidigen und ihre Glaubwürdigkeit zu untergraben.

Unterdessen gehen die US-Einwanderungsbeamten unter Präsident Trump trotz blockierter Einreiseverbote anscheinend deutlich schärfer gegen bestimmte Reisende vor. So wurde der Sohn von Boxlegende Muhammad Ali seinem Anwalt zufolge Anfang Februar zwei Stunden lang auf einem US-Flughafen festgehalten. Der namhafte französische Historiker Henry Rousso, ein gebürtiger Ägypter und jüdischer Gelehrter, wurde nach eigenen Angaben sogar fast um ein Haar abgeschoben. Trump hatte Einreiseverbote für Menschen aus sieben islamisch geprägten Ländern verfügt, die aber gerichtlich gestoppt wurden. (Seite 4)

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