09. Januar 2020, 23:19 Uhr

Kanada geht von Abschuss aus

09. Januar 2020, 23:19 Uhr
Trümmerteile der ukrainischen Passagiermaschine am Absturzort bei Teheran. Das Flugzeug mit über 170 Menschen an Bord könnte US-Medienberichten zufolge von einer iranischen Flugabwehrrakete getroffen worden sein. FOTO: DPA

Ottawa/Washington (dpa). Nach dem Absturz eines ukrainischen Flugzeugs bei Teheran erscheint ein Abschuss durch den Iran als Unglücksursache immer wahrscheinlicher. Die kanadische Regierung geht nunmehr davon aus. »Wir haben Geheimdienstinformationen von mehreren Quellen von unseren Alliierten und eigene Informationen. Diese Informationen deuten darauf hin, dass das Flugzeug von einer iranischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde«, sagte Ministerpräsident Justin Trudeau am Donnerstag in einer TV-Ansprache. Dies könne durchaus versehentlich geschehen sein. Bei dem Vorfall inmitten des bewaffneten Konflikts zwischen dem Iran und den USA waren am Mittwoch mehr als 170 Menschen ums Leben gekommen - darunter 63 Kanadier.

Vor Trudeaus Ansprache hatten US-Medien berichtet, dass die Boeing von einer iranischen Flugabwehrrakete getroffen worden sein könnte. US-Regierungsbeamte hielten dies für hoch wahrscheinlich, berichtete der TV-Sender CBS unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen. Das Magazin »Newsweek« berichtete unter Berufung auf zwei Pentagon-Mitarbeiter, dies sei wohl versehentlich geschehen. Die Annahme sei, dass das iranische Luftabwehrsystem aktiv gewesen sein könnte, nachdem am vom Iran aus Raketen auf von US-Soldaten genutzte Militärstützpunkte im Irak abgefeuert worden waren, berichtete »Newsweek«. Der Iran hatte bereits zuvor Spekulationen über einen Abschuss zurückgewiesen.

Entspannungssignale in Konflikt

CBS berichtete, US-Geheimdienste hätten Signale von einem Radar empfangen, das eingeschaltet worden sei. US-Satelliten hätten außerdem den Start von zwei Boden-Luft-Raketen kurz vor der Explosion des Flugzeugs entdeckt. Der Sender CNN meldete unter Berufung auf mehrere US-Behördenvertreter, man gehe zunehmend von einem versehentlichen Abschuss durch den Iran aus. Dieser »Arbeitstheorie« liege die Analyse von Satelliten-, Radar- und anderen elektronischen Daten zugrunde, die routinemäßig vom Militär und den Geheimdiensten der USA gesammelt würden. US-Präsident Donald Trump heizte die Mutmaßungen an. »Ich habe meinen Verdacht«, sagte Trump im Weißen Haus. »Jemand könnte einen Fehler gemacht haben.« Die iranischen Behörden bekräftigten, dass eine technische Ursache zu der Katastrophe geführt habe. Aufgrund der veränderten Einschätzung der Sicherheitslage für den Luftraum über dem Iran hat die Lufthansa gestern Abend ein Flugzeug auf dem Weg nach Teheran umkehren lassen.

Nach den gezielten Militärschlägen zwischen den USA und dem Iran standen die Zeichen unterdessen vorerst weiter auf Entspannung. »Wir sind bereit für ernsthafte Verhandlungen mit dem Iran ohne Vorbedingungen«, schrieb die amerikanische UN-Botschafterin Kelly Craft an den UN-Sicherheitsrat. Teheran betonte, man wolle die USA mit politischen Mitteln aus der Region vertreiben. Der iranische Präsident Hassan Ruhani sagte unterdessen, die Internationale Atomenergiebehörde werde auch weiterhin die Atomanlagen überwachen. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer drängt bei der irakischen Regierung auf eine Entscheidung über die Zukunft des internationalen Militäreinsatzes. Deutschland sei bereit, die Beteiligung am Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fortzusetzen, sagte die CDU-Chefin. » Seiten 4 + 5

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