Politik

Kämpfer für Gerechtigkeit

München - Der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel ist tot. Der ehemalige Bundesjustizminister starb am Sonntag im Alter von 94 Jahren in München, wo er lange Oberbürgermeister war. Dies bestätigte seine Ehefrau Liselotte Vogel auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
26. Juli 2020, 22:45 Uhr
Redaktion
_1MANPOL1-B_144838
Oberbürgermeister, SPD-Chef, Kanzlerkandidat: Hans-Jochen Vogel ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 94 Jahren in München nach langer Krankheit. FOTO: DPA

München - Der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel ist tot. Der ehemalige Bundesjustizminister starb am Sonntag im Alter von 94 Jahren in München, wo er lange Oberbürgermeister war. Dies bestätigte seine Ehefrau Liselotte Vogel auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Vogel gehörte zu den prägenden Figuren der bundesdeutschen Politik. Sein Ansehen reichte weit über die Parteigrenzen hinweg. Die letzten Jahre litt er an Parkinson. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte ihn als »lebhaften Demokraten, dessen Stimme schmerzlich fehlen wird«.

Geboren wurde Vogel 1926 in Göttingen. Er besuchte dort das Max-Planck-Gymnasium und ab 1935 in Gießen das Landgraf-Ludwig-Gymnasium, wo er 1943 Abitur machte. Nach dem Zweiten Weltkriegs studierte er Jura. Mit 24 Jahren trat er in die SPD ein. Zehn Jahre später wurde er Oberbürgermeister in München - als jüngstes Oberhaupt einer deutschen Großstadt.

Sein politischer Werdegang war gezeichnet von vielen Glanzpunkten, aber auch Niederlagen: Bau- und Justizminister, für knapp vier Monate auch Regierender Bürgermeister in Berlin. Nach dem Ende der sozialliberalen Koalition 1982 machten ihn die Sozialdemokraten zu ihrem Kanzlerkandidaten. Vogel unterlag jedoch deutlich gegen den CDU-Kanzler Helmut Kohl. Nach dem Fall der Mauer 1989 war er erster Vorsitzender der wiedervereinigten SPD. In seiner Partei galt Vogel zeitlebens als eine Art sozialdemokratisches Gewissen und Kämpfer für »soziale Gerechtigkeit«.

Die Nachricht von seinem Tod löste über die Parteigrenzen hinweg Trauer aus. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte der Witwe mit den Worten: »Wir haben einen Mann verloren, der die deutsche Sozialdemokratie und die Politik unseres Landes maßgeblich geprägt hat. Seine Disziplin und Geradlinigkeit, sein Pflichtbewusstsein und sein christliches Menschenbild haben ihm über alle Parteigrenzen hinweg größten Respekt eingebracht.« Der SPD-Parteivorstand erklärte: »Er war ein großer Sozialdemokrat, ein Vorbild, ein Freund. Hans-Jochen Vogel kämpfte sein Leben lang für sozialdemokratische Werte, eine gerechte Welt und für ein einiges Europa. Er wird fehlen.«

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ über eine Regierungssprecherin auf Twitter schreiben: »Sein Wirken war und ist Inspiration und Vorbild für viele Menschen in Deutschland.« Die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter nannten Vogel einen »Sozialdemokraten mit festen Werten und klarem Kompass«. »Persönlichkeiten wie er haben unsere Demokratie geprägt.« dpa » Seite 4

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/ueberregional/mantelredaktion/politikboerse/Politik-Kaempfer-fuer-Gerechtigkeit;art483,693580

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung