08. Oktober 2018, 23:28 Uhr

Jesuitenpater widerruft nicht

08. Oktober 2018, 23:28 Uhr

Unter den Katholiken in Frankfurt herrscht Entsetzen: Rom hat dem angesehenen Rektor der Theologisch-Philosophischen Hochschule Sankt Georgen, dem Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig, eine weitere Amtszeit verweigert. Positive Aussagen zur Homosexualität, zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und zu Frauen in kirchlichen Ämtern haben ihn seinen Posten gekostet. Am 14. Oktober 2016 hatte die »Frankfurter Neue Presse« (FNP) ein Interview mit Wucherpfennig veröffentlicht (www.fnp.de/Wucherpfennig ). Darin nahm der Seelsorger zu drängenden Fragen der Kirche Stellung. Dies wurde ihm fast zwei Jahre später zum Verhängnis und gefährdet seine berufliche Zukunft.

Wie berichtet, verweigert die Bildungskongregation im Vatikan dem im Februar für eine dritte zweijährige Amtszeit mit großer Mehrheit wiedergewählten Geistlichen das »Nihil Obstat« (Unbedenklichkeitserklärung) und verlangt einen öffentlichen Widerruf seiner Positionen. Der Vorgang sei noch nicht abgeschlossen, sagte die Sprecherin der deutschen Jesuiten. Wucherpfennig habe auf den Brief aus Rom schriftlich geantwortet. Einen Widerruf lehne er aber ab. Sein Vorgesetzter, Provinzial Johannes Siebner SJ, sagte, er stehe uneingeschränkt hinter Wucherpfennig. Ebenso der Limburger Bischof Georg Bätzing. »Die zutiefst erschreckenden Erkenntnisse der Studie zum Missbrauch an Minderjährigen in der katholischen Kirche machen deutlich, dass auch der pathologische Umgang der Kirche mit dem Thema (Homo-)Sexualität sexualisierte Gewalt begünstigt«, heißt es in einem Papier, das Frankfurter Pfarrer unterzeichneten: »Wir halten die Anregungen von Pater Wucherpfennig für einen wichtigen Diskussionsbeitrag und sind ihm dafür dankbar.«

2016 hatte Wucherpfennig, Professor für Neues Testament, die biblischen Verurteilungen der Homosexualität im Interview mit der FNP als »tief sitzende, zum Teil missverständlich formulierte Stellen« bezeichnet. Wucherpfennig, der im katholischen Stadtdekanat Frankfurt auch als Homosexuellen-Seelsorger wirkt, sprach sich für eine stärkere kirchliche Anerkennung von gleichgeschlechtlich Liebenden aus. Seine Äußerungen landeten auf unbekannten Wegen bei der Glaubenskongregation in Rom.

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