22. April 2019, 23:03 Uhr

Islamistengruppe unter Verdacht

22. April 2019, 23:03 Uhr
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Von DPA
Nach dem Terror: Eine Frau betet vor der Kirche in Negombo, die ebenfalls Ziel der Angriffe geworden war. Die Selbstmordanschläge in Sri Lanka mit fast 300 Toten lassen viele Fragen offen. (Foto: AFP)

Colombo (dpa). Die verheerenden Selbstmordanschläge auf Kirchen und Luxushotels in Sri Lanka gehen nach Einschätzung der Regierung auf das Konto einer einheimischen radikalislamischen Gruppe. Die Regierung ist jedoch überzeugt, dass die verdächtigte Gruppe National Thowheeth Jamaath die Attacken vom Ostersonntag nur mit Unterstützung eines internationalen Netzwerks verübt haben kann, wie ein Sprecher sagte.

Bei den Explosionen an acht Orten starben mindestens 290 Menschen, es gab mehr als 500 Verletzte. Unter den mehr als 30 getöteten Ausländern ist auch ein Deutsch-Amerikaner, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Weitere deutsche Opfer gebe es nach derzeitigen Erkenntnissen nicht. Unter den Toten sind auch drei Niederländer. 14 Ausländer werden noch vermisst.

Die Regierung des Landes kündigte Notstandsbestimmungen an, die um Mitternacht in der Nacht zum Dienstag (Ortszeit) in Kraft treten sollten. Der Sicherheitsrat der Regierung habe beschlossen, dem Militär und der Polizei weitreichende Befugnisse zu erteilen. Kabinettssprecher Rajitha Senaratne sagte, es habe vor den Attacken Hinweise auf Anschlagspläne gegeben. Ausländische Geheimdienste hätten bereits am 4. April über mögliche Selbstmordanschläge auf Kirchen und Touristenziele in Sri Lanka informiert. Die Motive der Attentäter waren auch am Montag noch unklar. Nach Polizeiangaben wurden 24 Verdächtige festgenommen, die verhört würden. Islamistische Terrorangriffe hatte es bisher in dem tropischen Inselstaat nicht gegeben. Nur rund zehn Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Muslime. Etwa sieben Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Christen. Die Mehrheit der 20 Millionen Einwohner sind Buddhisten.

Die Explosionen in drei Kirchen und drei Luxushotels hatten sich am Sonntagvormittag nahezu zeitgleich ereignet – sie wurden laut eines Forensikers des Verteidigungsministeriums von insgesamt sieben Selbstmordattentätern verübt. In den Kirchen fanden zur Zeit der Explosionen gerade Ostergottesdienste statt. Zu zwei späteren Detonationen in einem weiteren Hotel und einer Wohngegend in Vororten der Hauptstadt Colombo gab es keine näheren Angaben.

Am Sonntagabend wurde in der Nähe des größten Flughafens der Insel, rund 30 Kilometer von Colombo entfernt, ein Sprengsatz gefunden und entschärft, wie ein Sprecher der Luftwaffe mitteilte. In der Nähe einer der betroffenen Kirchen wurde ein Sprengsatz in einem geparkten Auto gefunden.

Die Anschlagsserie sorgte international für Entsetzen. Papst Franziskus gedachte der Opfer. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich »schockiert über die terroristischen Attacken. Staats- und Regierungschefs – darunter US-Präsident Donald Trump, Russlands Präsident Wladimir Putin, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel – verurteilten die Angriffe scharf. (Seiten 2, 4 und 6)



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