20. November 2018, 22:16 Uhr

»Integration verstärken«

20. November 2018, 22:16 Uhr

Berlin (dpa). Die UN-Kulturorganisation UNESCO hat eine weltweit stärkere Integration von Flüchtlingskindern in nationale Regelschulsysteme gefordert. »Bildung muss inklusiv sein«, sagte UNESCO-Generaldirektorin Audrey Azoulay gestern in Berlin bei der Vorstellung des Weltbildungsbericht 2019. Laut UNESCO schaffen die meisten Regierungen angesichts von Krisen spezielle Bildungsangebote für Flüchtlinge und damit Parallelsysteme. Auch der Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Thomas Rachel, betonte, Kitas oder Schulen seien »Orte der Integration«.

Auch im deutschen Bildungssystem sehen die Autoren dahingehend Verbesserungsbedarf. In Deutschland besuchten im vergangenen Jahr laut des Berichts 30 Prozent der unbegleiteten Minderjährigen unter 16 Jahren und fast 85 Prozent derer über 16 Jahren Sonderklassen. »Das gemeinsame Lernen aller muss die nächste Aufgabe sein, der sich das Land stellt«, erklärten die Autoren.

Nach Meinung mehrerer Redner bei der Präsentation des Berichtes muss vor allem die Lehrerausbildung in den Zufluchtsländern verbessert werden. Auch die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, Maria Böhmer, forderte, »interkulturelle Kompetenzen« fest in der Ausbildung zu verankern. Laut des Berichts bräuchte Deutschland 24 000 zusätzliche Lehrer und 18 000 weitere pädagogische Fachkräfte für die Bildung der Flüchtlinge.

Für Deutschland gab es aber auch Lob: Das Land habe bei der Integration von Flüchtlingen in das Bildungswesen insgesamt bereits viel erreicht, erklärte Böhmer. Konkret nannte sie eine umfangreiche Sprachförderung und die Anerkennung ausländischer Abschlüsse für den Arbeitsmarkt, bei der Deutschland weltweit herausrage.

Flüchtlingskinder haben generell in vielen Ländern nur wenig Chancen auf gute Bildung, wie aus dem Bericht hervorgeht. Die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen (UNHCR) schätzt die Einschulungsraten von Flüchtlingen weltweit auf 61 Prozent an Grundschulen und 23 Prozent an Sekundarschulen. Rund vier Millionen Flüchtlinge im Alter zwischen fünf und 17 Jahren besuchten demnach 2017 gar keine Schule. Im Vergleich zu einheimischen sei es für Flüchtlingskinder fünfmal so wahrscheinlich, nicht zur Schule zu gehen, sagte der Flüchtlingskommissar für Schutzfragen beim UNHCR, Volker Türk. Beim Bildungszugang spielt auch die Bleibeperspektive eine Rolle, meinte Susanna Krüger von »Save the Children«: Kinder mit schlechter Bleibeperspektive hätten Schwierigkeiten, Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung zu bekommen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bildungsangebote
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Deutsches Bildungssystem
  • Flüchtlingskinder
  • Flüchtlingsorganisationen
  • Integration
  • Kindertagesstätten
  • Krisen
  • Maria Böhmer
  • Staatssekretäre
  • Thomas Rachel
  • UNESCO
  • UNO
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos