20. März 2020, 23:11 Uhr

Hessen schließt Gaststätten

20. März 2020, 23:11 Uhr
Die Landesregierung greift zu noch drastischeren Maßnahmen: Pizza, Schnitzel, Kaffee - das gibt es auch in Karben wegen der Corona-Krise ab Samstagmittag nur noch zum Mitnehmen. FOTO: PEGELOW

Wiesbaden/Berlin - Das öffentliche Leben in Hessen wird im Kampf gegen das Coronavirus weiter drastisch eingeschränkt. Restaurants und Gaststätten müssen ab heute Mittag (12 Uhr) geschlossen bleiben, wie Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Freitag in Wiesbaden sagte. Es wird weiter möglich sein, sich Essen zu bestellen und liefern zu lassen.

Die bisherige Obergrenze für Versammlungen etwa in Parks werde zudem ab Samstag von 100 auf fünf Personen reduziert. Bei Verstößen könnten Bußgelder verhängt werden, sagte Bouffier. Er bezifferte die Größenordnung auf 100 bis 300 Euro. Er appelliere aber erst mal an die Vernunft der Menschen. Hessen wolle auch vorerst auf Ausgangssperren verzichten, sagte Bouffier. Diese seien »eine der letzten Maßnahmen«, die man treffen könne.

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus schränken auch andere Bundesländer das öffentliche Leben noch einmal drastisch ein. Am weitesten gehen dabei Bayern und das Saarland: Dort treten am heutigen Samstag Ausgangsbeschränkungen in Kraft.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte nach einer Sondersitzung des Kabinetts: »Wir fahren das öffentliche Leben nahezu vollständig herunter.« Ab Mitternacht werden unter anderem auch Restaurants und Gaststätten geschlossen. Die Vorgaben gelten zunächst für zwei Wochen. Die bisherigen Maßnahmen wie die Schließung von Schulen und Kitas sowie zahlreichen Geschäften reichen nach Ansicht der bayerischen Landesregierung nicht aus, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Im Saarland ist es ab Samstag grundsätzlich nur noch unter Angabe triftiger Gründe möglich, das eigene Haus zu verlassen, wie Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sagte.

In Baden-Württemberg sind wegen der Corona-Krise Zusammenkünfte von mehr als drei Menschen an öffentlichen Orten ab sofort verboten.

Mahnung an die Bundesbürger

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Sonntag mit den Bundesländern über die weiteren Schritte beraten. Eine bundesweite Ausgangssperre versucht die Bundesregierung weiter zu vermeiden. Regierungssprecher Steffen Seibert ermahnte die Bürger eindringlich, sich nicht mehr in Gruppen zu treffen. Man solle einfach nicht in einer Menschentraube im Park stehen oder eng gedrängt im Café sitzen. Andernfalls seien möglicherweise weitere Schritte nötig.

Unterdessen rechnet Bundesaußenminister Heiko Maas damit, dass die Rückholaktion für die im Ausland wegen der Corona-Krise gestrandeten Deutschen noch zwei Wochen dauern wird.

In Deutschland waren bis Freitagnachmittag mehr als 18 400 Infektionen mit dem Coronavirus bekannt. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die gemeldeten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. dpa » Mehr im Innenteil

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