03. August 2017, 23:15 Uhr

Handel verbannt belastete Eier

03. August 2017, 23:15 Uhr

Berlin/Darmstadt (dpa). Der Skandal um Millionen giftbelastete Eier zieht in Deutschland weitere Kreise. Inzwischen sei von zwölf betroffenen Bundesländern auszugehen, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) gestern. Nach ersten Ermittlungen gelangten die Eier über einen Großhändler in Niedersachsen auch nach Hessen. Mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier seien an die hessischen Zentrallager der Handelsketten Aldi Süd, Rewe, Lidl und Penny geliefert worden, teilte das zuständige Regierungspräsidium (RP) in Darmstadt am Donnerstag mit. Nach Bekanntwerden des Skandals hieß es zunächst, dass Hessen nicht betroffen sei. Die Lebensmittelüberwachung stellte nun die verseuchte Ware sicher.

Das Regierungspräsidium in Darmstadt ging davon aus, dass alle betroffenen Händler die verseuchten Eier aus den Regalen nehmen. Nach Angaben des Umweltministeriums wurden sie aber bereits in mindestens einem Supermarkt im Land verkauft. Der Hinweis einer Kundin aus dem Landkreis Offenbach habe sich inzwischen bestätigt, sagte gestern ein Sprecher in Wiesbaden. Fast alle großen Händler haben derweil den Verkauf von Eiern aus Betrieben unter Fipronil-Verdacht gestoppt. Zugleich betonten die Händler, dass Kunden die Ware unkompliziert zurückgeben könnten.

Edeka unbesorgt wegen Herkunft

Aldi Nord, Aldi Süd und Lidl nahmen Eier von Höfen unter Fipronil-Verdacht aus den Regalen. Einen Verkaufsstopp für alle niederländischen Eier verhängten Rewe und Penny. Edeka sieht hingegen keine Veranlassung, etwas aus dem Regal zu nehmen. »Die Eier unserer Edeka-Eigenmarken stammen ausschließlich aus Deutschland«, erklärte ein Sprecher. »Bislang liegen uns keine Nachweise von Fipronil bei Edeka vor.«

Landwirtschaftsminister Schmidt sagte gestern, die Lage sei »unter Kontrolle«, es gebe aber »noch keine Entwarnung«. Warenströme würden mit Hochdruck untersucht, auch für Produkte mit verarbeiteten Eiern. Die Bundesregierung nehme das Geschehen »sehr ernst«, sagte Schmidt. Er fügte hinzu, dass eine akute gesundheitliche Gefährdung für die Verbraucher nach derzeitigem Stand praktisch ausgeschlossen sei. Ein Ursprung des Skandals sind belastete Eier aus den Niederlanden, die auch in Deutschland in den Handel gelangten. Auch niedersächsische Legehennenhalter stehen unter Verdacht, Ställe mit dem fipronilhaltigem Anti-Läuse-Mittel Dega-16 desinfiziert zu haben. Dort sind nunmehr vier Betriebe gesperrt, in denen sich ein Verdacht bestätigt habe.

Nach Einschätzung der EU-Kommission ist die Situation unter Kontrolle. Die Höfe seien identifiziert, Eier geblockt, verseuchte Eier vom Markt genommen, sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde. »Wir stehen im permanenten Kontakt mit unseren Kollegen in den Mitgliedstaaten, die mit der Sache befasst sind.«

In den Niederlanden bleiben noch 138 Geflügelbetriebe gesperrt. Zu den Ermittlungen gegen das flämische Unternehmen, das als Verursacher verdächtigt wird, machte die Staatsanwaltschaft in Antwerpen keinerlei Angaben. (Seite 5)

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