12. März 2017, 22:38 Uhr

Gemeinsam glauben

12. März 2017, 22:38 Uhr
Umarmung mit Symbolkraft: Heinrich Bedford-Strohm (l.), Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, und Reinhard Kardinal Marx (r.), Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz setzen beim Versöhnungsgottesdienst ein Zeichen des Friedens. (Foto: dpa)

Hildesheim/Passau (dpa). Im 500. Jubiläumsjahr der Reformation haben Katholiken und Protestanten bei einem historischen Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim die Weichen für eine gemeinsame Zukunft gestellt. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, blickten in einer gemeinsamen Predigt am Samstag auf die getrennte Vergangenheit sowie die gemeinsame Zukunft beider Kirchen. Gäste der Feier in der Hildesheimer Michaeliskirche waren auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Miteinander nach tiefem Zerwürfnis

Der Überlieferung nach hat der Theologe Martin Luther (1483-1546) am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg geschlagen. Dies gilt als Beginn der später weltweiten Reformation und der Abspaltung der evangelischen von der katholischen Kirche. »Das Reformationsgedenken soll ein neuer Anfang sein für einen Weg, der uns als Kirchen nicht mehr voneinander trennt, sondern zusammenführt«, sagte Bedford-Strohm. »Wir wollen in der Zukunft nicht mehr getrennt glauben, wir wollen gemeinsam glauben. « Besonders hob er das erste gemeinsame Gedenken mit den Katholiken 500 Jahre nach den tiefen Zerwürfnissen der Reformation hervor. »Wir freuen uns von Herzen, dass ihr dieses Reformationsgedenken mit uns feiert.«

Marx sagte: »Ich bin froh, dass wir heute ein Zeichen für ein versöhntes Miteinander setzen.« Und: »Wir nehmen unsere Geschichte an, schauen auf das, was Christen sich gegenseitig angetan haben, und gehen gemeinsam weiter.« Zum Ende des Gedenkjahres zur Reformation hoffe er, dass gesagt werden könne: »Die Christen bekommt ihr nicht mehr auseinander.«

Symbolisch lag während des Gottesdienstes ein dreidimensionales 2,20 mal 2,20 Meter großes Holzkreuz als Zeichen für die Trennung zwischen beiden Konfessionen in der Kirche. Während der Feier wurde es aufgerichtet, die Blockade zwischen den Konfessionen gleichsam aus dem Weg geräumt. Am Ende des Gottesdienstes verpflichteten sich beide Bischöfe, weitere sichtbare Schritte auf dem Weg zu einer Einheit der Kirche zu gehen. Der Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim soll Vorbild für ähnliche Gottesdienste quer durch Deutschland sein.

In einem Grußwort nach dem Gottesdienstes sprach Gauck von einem hoffnungsvollen Signal. »Aber von hier und heute geht auch die Botschaft aus, dass weitere Schritte zu wagen sind.« Trotz allem Erreichten stehe das eigentliche ökumenische Wagnis echter Gemeinsamkeit den Kirchen noch bevor. Dieses Wagnis aber müsse eingegangen werden. »Eine Zukunft wird das Christentum in unserem Land am ehesten als ökumenisches haben – in welcher Gestalt und mit welchen Profilen auch immer es sich zeigen wird.«

Der Passauer katholische Bischof Stefan Oster sprach sich indessen dafür aus, kirchliche Hochzeiten häufiger durch einfache Segensfeiern zu ersetzen. »In diese Richtung sollten wir denken«, sagte Oster der Deutschen Presse-Agentur. Denn vielen Brautpaaren sei nicht klar, was eine sakramentale Trauung bedeute. Die katholische Ehevorbereitung müsse deutlich besser werden. »Wir bereiten jedes Kommunionkind und jedes Firmkind monatelang auf das Sakrament vor – und bei der Ehevorbereitung genügt’s im Grunde, wenn man einmal mit dem Pfarrer spricht und hofft, dass er dabei nicht zu viele peinliche Fragen stellt«, erklärte Oster.

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