24. Juli 2020, 23:08 Uhr

Gebete in Hagia Sophia

24. Juli 2020, 23:08 Uhr

Istanbul - Trotz internationaler Kritik haben in Istanbul Zehntausende an den Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung der Hagia Sophia als Moschee teilgenommen. Prominentester Besucher beim ersten Freitagsgebet war Präsident Recep Tayyip Erdogan. Der Staatschef sprach in dem bisherigen Museum zu Beginn selbst einige Koranverse. Später bezifferte er die Zahl der Gläubigen drinnen und draußen auf 350 000.

Kritik an der Umwandlung kam von Kirchen anderer Länder, aber auch aus der Politik. Bundesaußenminister Heiko Maas sprach von einer »Entscheidung, die wir nicht nachvollziehen können«.

Von den Minaretten der Hagia Sophie tönten erstmals seit mehr als acht Jahrzehnten wieder Gebetsrufe. Rund um die Moschee rollten nach Schätzungen Zehntausende Muslime ihre Gebetsteppiche aus. Immer wieder hörte man den Ruf: »Gott ist groß.« Bereits am Vormittag ließen die Behörden niemanden mehr in die ausgewiesenen Gebetsbereiche. Wegen des islamischen Bilderverbotes bedeckten im Inneren der Moschee während des Gebets weiße Vorhänge Mosaiken. Auf dem Boden war ein Teppich ausgerollt, auf dem die Gläubigen knieten.

Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte vor zwei Wochen den Status der Hagia Sophia als Museum annulliert. Erdogan ordnete daraufhin die Nutzung als Moschee an. Die Umwandlung stieß international auf scharfe Kritik. Die Hagia Sophia wurde im 6. Jahrhundert nach Christus als Kirche erbaut und nach der Eroberung Konstantinopels (heute Istanbul) durch die Osmanen in eine Moschee umgewandelt. Auf Anordnung des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk wurde das Gebäude 1934 zum Museum - bis jetzt.

Viele hatten in Zelten vor der Hagia Sophia oder in den umliegenden Moscheen übernachtet. Sie waren offen geblieben, um die Menschen zu beherbergen. Behörden forderten die Gläubigen auf, wegen der Corona-Pandemie Masken zu tragen und auf den Mindestabstand zu achten. Vielerorts wurde er jedoch missachtet, wie Fernsehbilder zeigten. Straßen in der historischen Altstadt wurden bereits am Vorabend für den Verkehr gesperrt.

Erdogan sagte, mit der Umwandlung in eine Moschee habe sich sein »Jugendtraum« erfüllt. Der Präsident der Obersten Religionsbehörde Diyanet, Ali Erbas, sagte nach einem Bericht der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu in seiner Predigt: »Die Sehnsucht unseres Volkes, die sich zu einer tiefen Wunde im Herzen verwandelt hatte, findet ein Ende.«

Bundesaußenminister Maas sagte, die Umwandlung sei »kein Beitrag zur Völkerverständigung«. dpa

Schlagworte in diesem Artikel

  • Gebete
  • Hagia Sophia
  • Heiko Maas
  • Jesus Christus
  • Moscheen
  • Museen und Galerien
  • Mustafa Kemal Atatürk
  • Recep Tayyip Erdogan
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen