16. Juni 2019, 22:56 Uhr

Festnahme im Mordfall Lübcke

Seit zwei Wochen steht der Landkreis Kassel unter Schock. Regierungspräsident Lübcke wurde erschossen auf seiner Terrasse gefunden. Nun ist der Täter nach Überzeugung der Ermittler gefasst. Was war sein Motiv?
16. Juni 2019, 22:56 Uhr
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Von DPA

Es ist ein Verbrechen, das schockiert: Auf der Terrasse seines Hauses in Nordhessen wird der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke getötet - mit einem Schuss in den Kopf aus nächster Nähe. Zwei Wochen später haben die Ermittler nun einen Tatverdächtigen gefasst. Der 45-Jährige sitzt seit gestern unter Mordverdacht in Untersuchungshaft. Nach Medienberichten soll er der rechten Szene nahestehen, aber noch sind viele Fragen offen.

Spezialkräfte der hessischen Polizei nahmen den Mann am frühen Samstagmorgen gegen 2 Uhr in Kassel fest - unter dringendem Tatverdacht, wie die Staatsanwaltschaft Kassel und das hessische Landeskriminalamt mitteilten. »Die Festnahme erfolgte aufgrund eines DNA-Spurentreffers«, berichteten die Behörden am Sonntag - gaben sich ansonsten aber extrem zugeknöpft. »Aufgrund der Indizienlage« habe das Amtsgericht Untersuchungshaft verhängt. Der Mann kam in die Justizvollzugsanstalt Kassel I. Mehr Informationen wollen die Behörden in den kommenden Tagen bekanntgeben.

Nach Informationen der HNA wurden Hautschuppen des 45-jährigen auf Lübcke gefunden. Das bedeutet: Der Mann muss bereits straffällig geworden sein, ansonsten wäre seine DNA nicht in der zentralen DNA-Analyse-Datei des Bundeskriminalamts gespeichert worden. Er soll ein langes Vorstrafenregister haben. Laut HNA gibt es noch keine Hinweise auf die Tatwaffe und um welche Waffe es sich überhaupt handelt. Damit stehe auch noch nicht fest, ob Lübcke aus nächster Nähe erschossen worden war. Die Ermittlungebehörden weisen ausdrücklich daraufhin, dass es sich bei dem festgenommenen Mann nicht um die Person handelt, die vor einer Woche am Fähranleger in Harlesiel in Gewahrsam genommen worden war.

Nach Medienberichten sollen die Spuren ins rechte Milieu führen. Die »Bild«-Zeitung meldete unter Berufung auf Ermittler, dass der 45-Jährige der rechtsextremen Szene angehören könnte. Auch nach Informationen der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« stammt er aus diesem Milieu.

Die »Süddeutsche Zeitung« und der »Tagesspiegel« berichteten unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass der Tatverdächtige vermutlich früher Kontakte in die rechte Szene gehabt habe. Es sei aber nicht klar, ob das auch aktuell noch der Fall sei. Der »Tagesspiegel« schrieb, es sei unklar, ob Lübcke aus einem rechtsextremen Motiv getötet worden sei. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte sich auf Anfrage nicht zu den Medienberichten äußern.

Lübcke hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Kinder. Am Samstag - dem Tag der Festnahme des Tatverdächtigen - wurde der 65-Jährige in seinem Heimatort beigesetzt. Am Donnerstag hatte es in Kassel einen Trauergottesdienst gegeben. »Zur Grausamkeit der Tat kommt die Ungewissheit: Wer war es, der diesem Leben kaltblütig und hinterrücks ein Ende setzte?«, hatte Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, gesagt.

Schon zu Lebzeiten hatte Lübcke Morddrohungen erhalten. Als Chef des Regierungspräsidiums Kassel hatte er sich in der Flüchtlingskrise vor vier Jahren für die Unterbringung von Flüchtlingen in Nordhessen ausgesprochen. Eine Verbindung zu der Bluttat hatten die Ermittler bislang allerdings nicht gesehen.



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