28. Januar 2020, 23:19 Uhr

Erste Fälle in Deutschland

28. Januar 2020, 23:19 Uhr
Ein 33-Jähriger aus Bayern war der erste mit dem neuen Coronavirus infizierte Patient in Deutschland. Der Fall hat die Nachfrage nach Atemmasken in Apotheken stark erhöht. Mittlerweile sind drei weitere Menschen infiziert. Experten halten dennoch das Tragen von Mundschutz derzeit für unnötig. FOTO: DPA

München - Das neue Coronavirus aus China ist nun auch in Deutschland angekommen. Die bayerischen Gesundheitsbehörden bestätigten gestern die vier ersten Fälle in der Bundesrepublik. Zunächst war die neue Lungenkrankheit bei einem 33 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Landsberg am Lech nachgewiesen worden. Er hatte sich in seiner Firma in einem Vorort bei München bei einer Kollegin aus China infiziert. Am Dienstagabend teilte das bayerische Gesundheitsministerium mit, dass sich drei weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. »Auch diese Patienten sind Mitarbeiter der Autozulieferer-Firma aus dem Landkreis Starnberg«, hieß es weiter. Wegen der infizierten Mitarbeiter schließt der Automobilzulieferer Webasto seinen Stammsitz in Gauting-Stockdorf bis Sonntag. Bis dahin sollen Mitarbeiter der Firmenzentrale auch nicht an nationale und internationale Standorte reisen, wie das Unternehmen am späten Dienstagabend mitteilte. Die vier Betroffenen wurden in der Münchener Klinik Schwabing stationär aufgenommen und isoliert, wie das Ministerium mitteilte. Dem ersten Patienten gehe es wieder recht gut. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte: »Es wurden insgesamt rund 40 Mitarbeiter der Firma ermittelt, die als enge Kontaktpersonen infrage kommen.«

Das Coronavirus 2019-nCoV kann eine Lungenkrankheit auslösen, an der im Hauptverbreitungsland China bereits über 100 Menschen gestorben sind - die meisten davon waren ältere Patienten mit schweren Vorerkrankungen. Die Gesamtzahl der weltweit bekannten Erkrankungen ist inzwischen auf mehr als 4500 gestiegen, in China starben mindestens 106 Menschen an der Lungenkrankheit.

Die Menschen, die mit der chinesischen und dem zuerst erkrankten deutschen Webasto-Mitarbeiter Kontakt hatten, stehen nach LGL-Angaben unter Beobachtung und sind aufgerufen, ihr Zuhause nicht zu verlassen. Der 33-jährige Patient ist Familienvater, sein Kind geht nach Angaben des Gesundheitsministeriums in eine Krippe im Landkreis Landsberg am Lech. Auch diese stehe nun unter Beobachtung, sagte LGL-Präsident Zapf.

Das neue Virus 2019-nCoV stammt ursprünglich vermutlich von einem Markt in der chinesischen Millionenstadt Wuhan, wo es wohl von dort gehandelten Wildtieren auf den Menschen übersprang. Nach derzeitiger Einschätzung von Experten verläuft die Lungenkrankheit offenbar in den meisten Fällen mild, womöglich sogar ohne Symptome.

Übertragungen vor den ersten Symptomen gelten als sehr selten. So liefert der erste bestätigte Coronavirus-Fall in Deutschland womöglich auch neue Erkenntnisse über die Ansteckungswege der Lungenkrankheit. Denn der Mann habe sich nach ersten Erkenntnissen bei der Chinesin angesteckt, obwohl sie zu dem Zeitpunkt noch keine Symptome der Krankheit zeigte.

Einen Grund zur Panik gebe es trotz allem nicht, betonte Huml - ebenso wie ihr Amtskollege, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Der Fall zeige, »dass wir gut vorbereitet sind«, sagte er. Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland bleibe auch nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts weiterhin gering. dpa » Seite 5

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