20. August 2017, 23:19 Uhr

Ermittler mit neuer Spur

20. August 2017, 23:19 Uhr

Barcelona (dpa). Nach der Terrorattacke von Barcelona mit mehr als einem Dutzend Toten läuft die Fahndung nach dem Fahrer des Wagens auf Hochtouren. Drei Tage nach dem Anschlag erklärten die Sicherheitskräfte am Sonntag via Twitter allerdings, es gebe eine neue Spur. »Wir sind sehr nah an einer Person dran, die mit beiden Attentaten in Verbindung steht.« Welche Rolle die Person bei dem Anschlag genau gespielt haben könnte, blieb zunächst offen. In der Basilika Sagrada Familia in Barcelona wurde indessen mit einer Trauerfeier der Terroropfer gedacht. Bei dem Anschlag auf der Flaniermeile Las Ramblas waren mindestens 13 Menschen getötet worden. Wenige Stunden später starb zudem eine Frau in der südlich gelegenen Küstenstadt Cambrils, wo offenkundig ein weiterer Anschlag vereitelt wurde.

Medienberichten zufolge gilt der 22-jährige Marokkaner Younes Abouyaaqoub als Hauptverdächtiger. Allerdings konnte Polizeichef Josep Lluis Trapero nicht bestätigen, dass dieser tatsächlich den Lieferwagen gesteuert hat. Die Behörden gehen davon aus, dass die Attacken in Barcelona und Cambrils von einer islamistischen Terrorzelle mit zwölf Mitgliedern verübt wurden. Fünf mutmaßliche Terroristen wurden in Cambrils erschossen, vier festgenommen. Die Identität von drei weiteren ist geklärt. Nach ihnen werde gefahndet, sagte Trapero. Zwei von ihnen seien aber »mit größter Wahrscheinlichkeit tot«. Nach einer Explosion am Mittwoch seien in den Trümmern eines Hauses in Alcanar die Überreste von mindestens zwei Menschen gefunden worden. Die Terrorzelle habe in dem Haus 120 Gasflaschen gehortet.

Imam im Fokus

Neben dem mutmaßlichen Terrorfahrer Abouyaaqoub richtet sich die Aufmerksamkeit der Ermittler auch auf einen Imam, bei dem es sich um den Kopf der Zelle handeln soll. Abdelbaki Es Satty predigte bis Juni in der Moschee der Ortschaft Ripoll rund 100 Kilometer nördlich von Barcelona. Der Geistliche kam möglicherweise bei der Explosion in Alcanar ums Leben. Trapero betonte, dass keines der zwölf mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle den Ermittlern zuvor wegen Terroraktivtiäten aufgefallen sei. Auch über den Imam seien keine Terrorverbindungen in der Vergangenheit bekannt.

An der Messe nahmen unter anderem das spanische Königspaar Felipe VI. und Letizia, Ministerpräsident Mariano Rajoy, der portugiesische Präsident Marcelo Rebelo de Sousa teil. Felipe und Letizia legten am Samstag am Ort des Terroranschlags von Barcelona ebenso Blumen nieder wie der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel. Rund 200 Muslime marschierten unter dem Motto »Wir sind keine Terroristen« über die Ramblas. Die Regionalregierung teilte mit, dass zwölf der 14 Toten identifiziert seien. Unter den Toten seien ein siebenjähriger Junge aus Australien, ein Belgier, zwei Italiener, ein Amerikaner, zwei Portugiesen und vier Spanier. (Seite 4)

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