26. Oktober 2017, 23:05 Uhr

Erfolg dank neuer Technik

26. Oktober 2017, 23:05 Uhr
Ein großer Medienandrang herrschte gestern in Gießen, als Staatsanwalt Thomas Hauburger (kleines Foto, Mitte) und Soko-Leiter Roland Fritsch (r.) Details zur Festnahme des mutmaßlichen Mörders von Johanna Bohnacker erläuterten. (Fotos: gäd (3), eb)

Gießen (sha). Ein Missbrauchsfall vom vergangenen August in Nidda und eine verbesserte Methode zur Überprüfung von Fingerabdrücken haben 18 Jahre nach dem Mord an der kleinen Johanna Bohnacker aus Ranstadt-Bobenhausen (wir berichteten) zur Festnahme des mutmaßlichen Täters geführt. Der 41-jährige Tatverdächtige aus Friedrichsdorf sei »überwiegend geständig«, teilte Thomas Hauburger, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium Mittelhessen mit. Er soll das damals achtjährige Mädchen am 2. September 1999 in Bobenhausen in den Kofferraum seines VW Jetta gezerrt und gefesselt, sich später an ihr vergangen und sie getötet haben. Die Leiche des Kindes wurde im April 2000 in einem Wald bei Alsfeld gefunden. Der arbeitslose Mann, der nach dem Abitur keinen Beruf erlernte, sitzt seit gestern in Untersuchungshaft. Er ist ledig und kinderlos. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord und besonders schwere sexuelle Nötigung vor.

Spaziergängern war im vergangenen Sommer in einem Maisfeld bei Nidda ein Mann »bei sexuell motivierten Fesselungsspielen« mit einer 14-Jährigen aufgefallen, erläuterte Hauburger. Die Ermittlungen wegen Missbrauchs einer Jugendlichen dauerten an. Beamten fielen Parallelen zum Mordfall Johanna auf. Auch da hätten Fesselung und Klebeband eine »große Rolle« gespielt. Auf einem Stück Klebeband, mit dem Johanna gefesselt worden war, hatten Ermittler einen Teilabdruck eines Fingers des Täters gesichert.

Diese Fragmente stimmten mit dem 2016 genommenen Abdruck des linken Daumens des Friedrichsdorfers überein. »Ein ganz erheblicher Verdachtsbeweis.« Bereits vor über zehn Jahren wurden bei einer Reihenuntersuchung die Fingerabdrücke des Mannes genommen, weil er einen VW Jetta fuhr. Zeugen war im September 1999 ein Jetta mit »HG«-Kennzeichen in Bobenhausen aufgefallen. Allerdings wurden damals die Fingerabdrücke noch mit einem Stempelkissen genommen, sodass beim Vergleich mit dem Klebeband »Verzerrungen« auftraten. Die neue Methode mit einem Scanner ließ hingegen keine Zweifel mehr aufkommen.

In der Wohnung des Mannes fanden Ermittler zudem 236 Datenträger und 120 Videokassetten mit Kinderpornografie. Allerdings war der vorbestrafte 41-Jährige bisher nicht durch Missbrauchsdelikte, sondern mit Straftaten im Bereich der Drogenkriminalität und durch Verkehrsdelikte aufgefallen, saß auch bereits im Gefängnis. Kriminalbeamte aus Gießen nahmen ihn um 7 Uhr morgens in seiner Friedrichsdorfer Wohnung fest. Er sei »angespannt, aber gefasst und kooperativ« gewesen. Zwar werde zu dem Verfahren ein psychiatrischer Ermittler hinzugezogen, aber es habe bis jetzt bei dem Beschuldigten »keine Auffälligkeiten« gegeben. Er sei »voll orientiert und aufnahmefähig«.

Die Beamten gehen davon aus, dass der Verdächtige allein handelte. Zeugenhinweise auf eine Frau im Zusammenhang mit Johannas Verschwinden hätten sich nicht erhärtet. Johanna ist nach bisherigen Erkenntnissen ein »Zufallsopfer« gewesen. Der mutmaßliche Täter habe zuvor keinen Kontakt zu dem Mädchen und seiner Familie, sondern nur »lose Bekannte« in Bobenhausen gehabt.

Es gebe derzeit keine Hinweise, dass der Mann für weitere Missbrauchsfälle, Morde oder das Verschwinden von Mädchen verantwortlich sei, sagte der Leiter der Sonderkommission, Roland Fritsch. Es werde aber weiterermittelt, um ähnliche unaufgeklärte Fälle bundesweit zu überprüfen.

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