Politik

EU-Länder sichern Impfstoff

Berlin - Lockdown, Schutzmasken, Abstand halten: Um die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie zu beenden, hoffen Menschen weltweit auf einen Impfstoff. Nun haben Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande mit einem Hersteller einen Vertrag über mindestens 300 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus geschlossen, wie das Bundesgesundheitsministerium am Samstag in Berlin mitteilte. Die Entwicklung eines Impfstoffs könnte im günstigen Fall schon Ende des Jahres abgeschlossen sein, hieß es aus dem Ministerium.
14. Juni 2020, 22:31 Uhr
DPA

Berlin - Lockdown, Schutzmasken, Abstand halten: Um die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie zu beenden, hoffen Menschen weltweit auf einen Impfstoff. Nun haben Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande mit einem Hersteller einen Vertrag über mindestens 300 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus geschlossen, wie das Bundesgesundheitsministerium am Samstag in Berlin mitteilte. Die Entwicklung eines Impfstoffs könnte im günstigen Fall schon Ende des Jahres abgeschlossen sein, hieß es aus dem Ministerium.

Profitieren sollen demnach alle EU-Staaten, die dabei sein wollen. Die Impfdosen würden relativ zur Bevölkerungsgröße aufgeteilt. Der Vertragspartner AstraZeneca nannte sogar eine Größenordnung von »bis zu 400 Millionen Dosen«. Das Pharmaunternehmen hatte nach eigenen Angaben zuvor schon ähnliche Vereinbarungen unter anderem mit Großbritannien, den USA und Indien über insgesamt 1,7 Milliarden Impfdosen abgeschlossen. Dabei geht es um den an der britischen Universität Oxford entwickelten Covid-19-Impfstoff AZD1222. Der beruht auf einer abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen.

Erste Verteilung Ende des Jahres?

»Viele Länder der Welt haben sich schon Impfstoffe gesichert, Europa noch nicht«, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstag zum Vertragsabschluss. »Durch das zügige koordinierte Agieren einer Gruppe von Mitgliedsstaaten entsteht in dieser Krise Mehrwert für alle EU-Bürger.«

Der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza betonte, der Versuchsprozess sei in einem »fortgeschrittenen Stadium« und werde im Herbst abgeschlossen. Dann könne bis Ende des Jahres mit der Verteilung der ersten Tranche begonnen werden. »Der Impfstoff ist die einzige endgültige Lösung für Covid-19«, schrieb er auf Facebook. Die vier EU-Staaten haben sich laut Bundesgesundheitsministerium zu einer Impfallianz zusammengeschlossen und sind mit mehreren Unternehmen im Gespräch, die an Impfstoffen forschen. »Damit Impfstoffe sehr zügig nach einer möglichen Zulassung in diesem oder im nächsten Jahr in großer Zahl verfügbar sind, müssen Produktionskapazitäten schon jetzt vertraglich gesichert werden«, hieß es.

Innerhalb von 24 Stunden haben die Gesundheitsämter in Deutschland dem Robert Koch-Institut (RKI) 247 neue Infektionen mit dem Virus gemeldet. Damit haben sich seit Beginn der Corona-Krise 186 269 Menschen in Deutschland nachweislich mit Sars-CoV-2 angesteckt, wie das RKI am Sonntagmorgen (0 Uhr) meldete. 8787 infizierte Menschen starben nach RKI-Angaben in Deutschland - das bedeutet ein Plus von sechs im Vergleich zum Vortag. Etwa 172 200 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Das sind 300 mehr als noch einen Tag zuvor. Angesichts niedriger Corona-Infektionszahlen gibt es in Thüringen seit Samstag keine landesweiten Kontaktbeschränkungen mehr - und in Brandenburg von diesem Montag an. Beide Bundesländer gehen als erste diesen Weg. Treffen in großer Runde sind dort wieder möglich - allerdings noch immer mit Abstand. Statt eines Verbots gibt es jetzt lediglich die Empfehlung, sich in Thüringen nicht mit mehr als einem weiteren Haushalt oder zehn weiteren Menschen zu treffen.

Corona-Warnapp startet Dienstag

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes wird am Dienstag vorgestellt und zur Benutzung freigeschaltet. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag in Berlin. Letzte Tests seien gut verlaufen, hieß es. Zum Herunterladen dürfte die App nach dpa-Informationen bereits am Montagabend in den Stores von Google und Apple bereitstehen. Mit der App sollen die Corona-Infektionsketten besser erkannt werden. Sie soll dafür sorgen, dass bei einer Lockerung für das öffentliche Leben die Ausbreitung des Coronavirus nicht wieder stark ansteigt. dpa » Seite 4

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