26. Januar 2020, 23:01 Uhr

Die Erinnerung wachhalten

26. Januar 2020, 23:01 Uhr
Kerzen brennen am Holocaust-Mahnmal in Berlin. Heute jährt sich zum 75. Mal die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. FOTO: DPA

Berlin - 75 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz sind am Sonntag 75 Kerzen am Holocaust-Mahnmal in Berlin entzündet worden. Zum Gedenken an die ermordeten Juden Europas stellte der Vorstand des Förderkreises unter der Leitung der Vorsitzenden Lea Rosh rote Grabkerzen am Stelenfeld auf. »An jedem Tag, aber insbesondere am Holocaust-Gedenktag müssen wir Gesicht zeigen, müssen wir gemeinsam dafür aufstehen, dass das viel beschworene ›Nie wieder‹ nicht zu einer hohlen Phrase verkommt«, mahnte Rosh. Im Berliner Dom fand am Sonntagvormittag ein Gedenkgottesdienst statt.

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen ist dafür, alle Schüler zum Besuch eines ehemaligen Konzentrationslagers zu verpflichten. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sprachen sich 56 Prozent für solche Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten mindestens einmal während der Schulzeit aus. Nur 34 Prozent sind dagegen. Zehn Prozent machten keine Angaben. Zwar finden 24 Prozent der Deutschen, das Gedenken an den Holocaust müsse verstärkt werden. Mindestens jeder Fünfte (22 Prozent) meint allerdings, der Holocaust spiele in der deutschen Erinnerungskultur eine zu große Rolle. 45 Prozent finden es so, wie es jetzt ist, genau richtig. Unter den AfD-Wählern sind diejenigen, denen das Gedenken zu viel ist, mit 56 Prozent in der Mehrheit.

Allein in Auschwitz, diesem größten Vernichtungslager der Nationalsozialisten, wurden mehr als eine Million Menschen umgebracht. Der Holocaust kostete insgesamt rund sechs Millionen Juden das Leben. Sie wurden von den Deutschen erschossen und in Gaskammern ermordet oder starben an den Folgen von Hunger, Krankheit und Erschöpfung.

Zeichen der Solidarität gefordert

Zum Jahrestag riefen Politiker aus Regierung und Opposition dazu auf, wachsendem Antisemitismus stärker entgegenzutreten. Außenminister Heiko Maas (SPD) warnte sogar vor einer Auswanderungswelle von Juden aus Deutschland.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wünscht sich ein sichtbares Zeichen gegen Judenfeindlichkeit in Deutschland. »Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass an einem bestimmten Tag Menschen in Deutschland als Zeichen der Solidarität mit den jüdischen Mitbürgern einen Davidstern tragen«, sagte die CDU-Politikerin.

In der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau kommen heute 200 Überlebende und Delegationen aus 50 Ländern zusammen, um sich an die Befreiung des Konzentrationslagers zu erinnern. Zu den Gästen zählen Israels Präsident Reuven Rivlin und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Der Umfrage zufolge hat nur jeder fünfte Deutsche (21 Prozent) die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau schon einmal besucht. Nur 55 Prozent der Befragten waren überhaupt schon in einer KZ-Gedenkstätte in Deutschland oder im Ausland. Der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Volkhard Knigge, bemerkt zunehmend weniger Respekt. Es gebe zum Beispiel immer mehr menschenverachtende Einträge in Gästebüchern. dpa

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