17. März 2020, 23:18 Uhr

Deutschland im Krisenmodus

17. März 2020, 23:18 Uhr
Die Stühle hochgestellt: Kneipen, Bars, Restaurants und weite Teile des Einzelhandels werden ab heute gar nicht oder nur eingeschränkt öffnen. Auch die Gießener Bar »Lieblingsmensch« ist von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. FOTO: SCHEPP

Berlin - Immer mehr Staaten wie auch Deutschland kapseln sich angesichts der Corona-Pandemie ab - mit dramatischen Folgen für ihre Bürger, die Wirtschaft und andere Bereiche wie etwa Sport und Kultur. Erstmals starb in Hessen ein Mensch an den Folgen einer Corona-Infektion. Es handele sich um einen Patienten, der stationär in einer Wiesbadener Klinik behandelt worden sei, teilte die Stadt Wiesbaden am Dienstagabend mit.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt die Gefährdung durch das Coronavirus für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland nun als »hoch« ein. RKI-Präsident Lothar Wieler nannte als Gründe steigende Fallzahlen sowie Alarmsignale aus Kliniken. Zudem gebe es immer mehr Fälle, die nicht auf bekannte Fälle zurückgeführt werden könnten. Bislang hatte das RKI von einer »mäßigen« Gefährdung gesprochen.

Die Bundesländer trafen gestern die Vorbereitungen für ein beispielloses Herunterfahren des öffentlichen Lebens. Auch die Menschen in Hessen müssen sich auf den Krisenmodus einstellen. Ab heute werden Kneipen, Kinos, Bordelle, Theater, Museen, Diskotheken und viele Läden erst einmal schließen. Auch Tier- und Freizeitparks sowie Sportplätze machen dicht. Im Zuge der Coronakrise tagte gestern erstmals der Krisenstab der hessischen Landesregierung.

Keine Tests mehr im Wetteraukreis

Derweil sind die Testcenter für Coronavirus-Abstriche in Hessen überlastet. Der Wetteraukreis führt indes keine Corona-Tests mehr durch, da diese »keine medizinische Konsequenz« hätten. Die Mengen an Testungen beanspruchten medizinisches Personal sowie Ressourcen, die an anderer Stelle gebraucht würden.

Berlin: Weltweite Reisewarnung

Die Bundesregierung sprach unterdessen eine weltweite Warnung für touristische Reisen aus. Außenminister Heiko Maas (SPD) kündigte eine »Luftbrücke« für Urlauber in Marokko, der Dominikanischen Republik, den Philippinen, in Ägypten und auf den Malediven an. Für die Rückholflüge will die Regierung bis zu 50 Millionen Euro ausgeben. Nach Schätzungen des Auswärtigen Amts sind derzeit über 100 000 Personen in Urlaubsgebieten unterwegs.

Beim weltgrößten Autokonzern VW sollen bald die Bänder still stehen. Auch Daimler stoppt einen Großteil seiner Produktion in Europa. Angesichts vieler leerer Regale in deutschen Supermärkten bemühte sich Agrarministerin Julia Klöckner (CDU), die Bevölkerung zu beruhigen.

Harte Zeiten gibt es für Fußballfans: Die Europameisterschaft 2020 findet aufgrund der Corona-Pandemie erst im Sommer 2021 statt. Die Champions League und Europa League bleiben »bis auf Weiteres« ausgesetzt. Die Bundesliga ruht ebenfalls. Die French Open werden auf den Herbst verschoben. Bis gestern gab es in Deutschland nach dpa-Informationen rund 8600 Infektionen. 23 Menschen starben. Infiziert hat sich auch der ehemalige Unionsfraktionschef Friedrich Merz, der den CDU-Vorsitz anstrebt.

Notfallplan für Krankenhäuser

Bund und Länder beschlossen gestern einen Notfallplan für die Krankenhäuser. Darin heißt es, durch das »Auf-, Aus- und Umrüsten von Rehabilitationseinrichtungen, Hotels oder größeren Hallen können für die leichteren Behandlungsverläufe zusätzliche Kapazitäten aufgebaut werden«.

Die Landesregierung in Kiel beschloss, dass Touristen ab heute Schleswig-Holstein nicht mehr betreten dürfen. Zugleich schließt das Küstenland alle Restaurants. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag warnte wegen der Folgen der Corona-Krise vor einer Pleitewelle im Land. dpa/eb

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