31. August 2017, 23:22 Uhr

Den ganzen Sonntag Sperrzone

31. August 2017, 23:22 Uhr

Frankfurt/Main (dpa/lhe). Wegen der Entschärfung einer riesigen Weltkriegsbombe müssen mehr als 60 000 Frankfurter ihre Pläne für den kommenden Sonntag ändern. Die größte Evakuierung der deutschen Nachkriegsgeschichte soll bereits am Morgen um 6 Uhr beginnen und erst am Abend gegen 20 Uhr zu Ende sein, wie Polizei, Feuerwehr und Stadt am Donnerstag in Frankfurt ankündigten. Solange dürfen die Menschen ihre Wohnungen und die Sicherheitszone nicht betreten. Der Verkehr wird den ganzen Tag über weiträumig umgeleitet, U-Bahnen und Busse fahren nur eingeschränkt – für sie ist die Zone auch tabu.

»Von 8 bis voraussichtlich 20 Uhr ist es verboten, sich in der Sperrzone aufzuhalten«, sagte der Leiter des Ordnungsamts, Jörg Bannach. Dieses Gebiet liegt in einem Umkreis von 1,5 Kilometern um den Fundort der Luftmine am Universitäts-Campus Westend. »Diese Fläche muss menschenleer sein. Das ist eine große Herausforderung«, sagte Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU).

Außer Tausenden Wohnungen müssen unter anderem zwei Krankenhäuser und 20 Altenheime geräumt werden. Wie viele Patienten, alte Menschen und Anwohner genau betroffen sind, ist nicht bekannt. Am Mittwoch war noch von bis zu 70 000 Menschen die Rede gewesen. Die Menschen sollten die Zone am besten schon Samstagabend verlassen, einen Ausflug machen und Bekannte oder Verwandte besuchen, rieten Vertreter von Stadt und Polizei. Sie können aber auch in vier Hallen auf dem Messegelände und im Stadtteil Höchst unterkommen.

Zwang zur Wohnungsräumung

Von der 1,8 Tonnen schweren Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg in Frankfurt geht nach Einschätzung des Kampfmittelräumdienstes derzeit keine Gefahr aus. Sie wird zudem von der Polizei bewacht. Polizeipräsident Gerhard Bereswill sagte, die ab Sonntagmittag geplante Entschärfung werde schätzungsweise rund vier Stunden dauern.

Einige Tausend Polizisten kontrollieren zuvor, ob wirklich alle Anwohner ihre Häuser verlassen haben. Auch das werde etwa vier Stunden dauern. Dabei soll auch ein Hubschrauber zum Einsatz kommen. »Wir setzen alle Mittel ein, die wir haben«, sagte Bereswill. »Klar ist, erst wenn alles geräumt und evakuiert ist, kann die Entschärfung freigegeben werden.« Wer sich weigere, werde notfalls zwangsweise aus der Sperrzone gebracht. Bereswill appellierte an die Vernunft der Menschen. »Diskussionen wären zum Nachteil aller.«

Der Luftraum über dem Fundort der Bombe wird auch gesperrt. Die Auswirkungen für an- oder abfliegende Maschinen des Frankfurter Flughafens sind aber noch nicht klar. Nur bei Ostwind überqueren Flugzeuge beim Anflug das Gebiet über dem Fundort der Bombe.

Auf die mehr als 60 000 Frankfurter, die ihre Häuser verlassen müssen, wartet im Rheingau ein Trostpflaster. Die Wein-, Sekt- und Rosenstadt Eltville am Rhein spendiert ihnen einen kostenlosen Besuch auf der Kurfürstlichen Burg zu Eltville und in dem am Rheinufer gelegenen Freibad. »Es reicht, wenn die Betroffenen beim Besuch des Burgturms und des Schwimmbads ihren Ausweis vorlegen und so zeigen, dass sie Frankfurter sind«, teilte der Initiator, Bürgermeister Patrick Kunkel (CDU), gestern mit. (Seite 6)

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