02. Juli 2020, 22:21 Uhr

Cavusoglu teilt aus

02. Juli 2020, 22:21 Uhr
Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu hatte bei seinem Besuch in Berlin gestern eine Menge Kritik im Gepäck. FOTO: AFP

Berlin/Brüssel - Die Türkei wirft Frankreich die Verbreitung von Falschinformationen zum Zwischenfall mit einem französischen Kriegsschiff im Mittelmeer vor und fordert eine offizielle Entschuldigung. »Frankreich hat hier weder der EU noch der NATO die Wahrheit gesagt«, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Donnerstag nach Gesprächen mit Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) in Berlin. Dies zeige auch der erste Bericht von NATO-Militärexperten. »Frankreich muss sich bei uns entschuldigen«, erklärte Cavusoglu. Maas verhielt sich in dem Streit zwischen der Türkei und Frankreich neutral. »Man muss darüber reden«, sagte er. »Ich glaube, es ist außerordentlich wichtig, dass die Beziehungen zwischen Frankreich und der Türkei konstruktiv sind.«

Bei dem Zwischenfall hatte nach Angaben aus Paris ein türkisches Kriegsschiff mehrfach sein Feuerleitradar auf eine französische Fregatte gerichtet. Da solche Systeme in der Regel nur benutzt werden, um Zieldaten für den Gebrauch von Waffensystemen zu liefern, war dies von Frankreich als »extrem aggressiv« gewertet und beim jüngs- ten NATO-Verteidigungsministertreffen angesprochen worden. Die Türkei weist die Vorwürfe zurück. Cavusoglu warf Frankreich vielmehr »Türkeifeindlichkeit« vor, die offensichtlich auf einen Machtverlust in der Region zurückzuführen sei. Er beschuldigte zudem die EU, Reisebeschränkungen für die Türkei aus »politischen Motiven« aufrechtzuerhalten. Einige Länder, die Brüssel auf die Liste der Staaten aufgenommen habe, aus denen Menschen wieder in die EU einreisen dürften, stünden schlechter da als die Türkei, sagte Cavusoglu. In Berlin forderte er zudem erneut die Aufhebung einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für die Türkei. Maas sagte zu den Forderungen, dass man sich dabei eng in der EU abstimmen wolle. »Nur wenn wir in Europa möglichst im Gleichklang handeln, ist es auch möglich, das Virus in seiner Ausbreitung zu kontrollieren.« dpa

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