14. Mai 2018, 23:05 Uhr

Blutige Eskalation in Nahost

14. Mai 2018, 23:05 Uhr

Jerusalem (dpa). Die umstrittene Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem hat gestern massive Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der israelischen Armee mit Dutzenden Toten ausgelöst. Im Gazastreifen wurden bei Protesten am Grenzzaun mindestens 55 Palästinenser von Soldaten erschossen, mehr als 2800 Menschen wurden verletzt, wie die Gesundheitsbehörde in Gaza mitteilte. Es war der Tag mit den meisten Todesopfern seit dem Gaza-Krieg 2014. Die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt löste bei den Palästinensern Zorn aus, in Israel sorgte der Schritt für Genugtuung.

US-Präsident Donald Trump äußerte in einer bei den Feierlichkeiten in Jerusalem übertragenen Videobotschaft die Hoffnung, dass es nun Frieden geben werde: »In Freundschaft reichen wir Israel, den Palästinensern und allen Nachbarn die Hand.«

Der palästinensische Gesundheitsminister Dschawad Awad warf Israel in Ramallah ein »Massaker an unbewaffneten Demonstranten« vor. Russland sieht angesichts der Verlegung der US-Botschaft den Frieden in Gefahr. Die Türkei sprach ebenfalls von einem »Massaker«. Deutschland und Frankreich mahnten zur Mäßigung. Das Terrornetzwerk El-Kaida rief zum »Heiligen Krieg« auf.

Trump hob die Freundschaft zwischen den USA und Israel hervor, erwähnte mögliche Rechte der Palästinenser jedoch nicht. »Israel ist eine souveräne Nation mit dem Recht, seine Hauptstadt selbst zu bestimmen«, sagte Trump. »Wir haben in der Vergangenheit das Offensichtliche nicht anerkannt.« Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil der Stadt als Hauptstadt eines künftigen Staates.

Im Gazastreifen protestierten Zehntausende Menschen. Israelische Soldaten erschossen Palästinenser, die sich dem Grenzzaun zu sehr näherten oder ihn beschädigen wollten. Die israelische Armee warf den Palästinensern »beispiellose Gewalt« vor. Sie hätten Soldaten mit Brandbomben und explosiven Gegenständen beworfen. Die israelische Luftwaffe habe Posten der im Gazastreifen herrschenden radikalislamischen Hamas angegriffen. Damit habe die Armee auf Beschuss von dort auf Soldaten reagiert. Auch in Ramallah im Westjordanland nahmen Tausende Palästinenser an einem Protestmarsch teil. Hunderte zogen weiter zu Kontrollpunkten der israelischen Armee. Dort kam es nach palästinensischen Angaben zu Konfrontationen mit Sicherheitskräften.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte eine politische Lösung des Konflikts. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini rief beide Seiten angesichts der Eskalation der Gewalt zu »allergrößter Zurückhaltung« auf. »Israel muss das Recht auf friedliche Demonstrationen respektieren«, ließ sie in Brüssel mitteilen. Die Hamas und die Anführer der Demonstration im Gazastreifen müssten sicherstellen, dass die Proteste absolut friedlich blieben. Israels Nachbarstaaten Libanon, Jordanien und Ägypten verurteilten die Gewalt im Gazastreifen. (Seite 5)

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