10. Februar 2020, 22:19 Uhr

Bespuckt und beschimpft

10. Februar 2020, 22:19 Uhr

Erfurt/Berlin - Die Wahl des Thüringer Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich (FDP) mit AfD-Stimmen hat bundesweit eine Welle von Anfeindungen gegen Politiker nicht nur der FDP ausgelöst. FDP-Politikern wurde der Händedruck verweigert, ihre Veranstaltungen so massiv gestört, dass die Polizei anrücken musste, Plakate beschädigt oder es gingen Drohungen und Beschimpfungen über die sozialen Netzwerke ein. Vorfälle gab es unter anderem in Berlin, Leipzig, Hannover, Halle, Hamburg und Stuttgart. Aber auch Wahlkreisbüros der Linken sowie von AfD oder SPD wurden mit teils derben Sprüchen besprüht, ergab eine Umfrage der dpa. Am heftigsten traf es wohl die Familie von Kemmerich, der am Samstag zurücktrat und jetzt nur noch geschäftsführend im Amt ist. Kemmerichs Kinder seien wegen Anfeindungen in der vergangenen Woche unter Polizeischutz zur Schule gebracht worden, seine Frau sei auf offener Straße angespuckt worden, sagte ein Sprecher der Thüringer FDP in Erfurt.

In einem Supermarkt sei eine Art Fahndungsfoto des 54-Jährigen ausgehängt worden. Zudem habe es mehrfach Menschenansammlungen vor seinem Wohnhaus gegeben. Vertreter der FDP waren nach Angaben der Bundespartei nach der Wahl von Kemmerich bundesweit Anfeindungen ausgesetzt, berichtete der »Tagesspiegel«. Thüringens Landtagspräsidentin Birgit Keller (Linke) mahnte zur Mäßigung. Die Anfeindungen gegen FDP-Politiker seien so weit gegangen, dass ihnen nicht mehr die Hand gegeben wurde, sagte der Parteisprecher. In Berlin beschmierten Unbekannte die Fassade eines FDP-Bürgerbüros. Mehrere Berliner FDP-Abgeordnete berichteten zudem, sie würden in sozialen Netzwerken teilweise wüst beschimpft. In Leipzig und Görlitz wurden Wohnhäuser von FDP-Politikern mit Beschimpfungen beschmiert, in Halle ein Wahlkreisbüro. In Dresden warfen Unbekannte mit blauer Farbe gefüllte Christbaumkugeln an die Geschäftsstelle des FDP-Landesverbandes. In Bayern und Hamburg wurden Wahlplakate der Partei abgerissen oder beschmiert.

In Heiligenstadt sowie Hildburghausen in Thüringen berichtete die Polizei von einem Steinwurf und einer Farbsprüherei gegen AfD-Wahlkreisbüros. In Meinigen traf es ein Büro der Linken. In Nordhausen gingen bei der Linken zwei Schreiben mit beleidigendem Inhalt ein, in Jena wurde nahe eines SPD-Wahlkreisbüros eine Fahne angezündet. dpa

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