Politik

»Besatzungkräfte raus«

Barcelona (dpa). Mehrere Hunderttausend Menschen haben in der spanische Region Katalonien gegen Polizeigewalt und für eine Unabhängigkeit ihrer Provinz vom Zentralstaat demonstriert. Zugleich legte am Dienstag ein Generalstreik weite Teile des öffentlichen Lebens lahm. In Barcelona blieben die meisten Geschäfte und auch die Metro-Stationen geschlossen.
03. Oktober 2017, 22:34 Uhr
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Barcelona (dpa). Mehrere Hunderttausend Menschen haben in der spanische Region Katalonien gegen Polizeigewalt und für eine Unabhängigkeit ihrer Provinz vom Zentralstaat demonstriert. Zugleich legte am Dienstag ein Generalstreik weite Teile des öffentlichen Lebens lahm. In Barcelona blieben die meisten Geschäfte und auch die Metro-Stationen geschlossen.

Zu den Kundgebungen und dem Ausstand hatten Gewerkschaften und andere Organisationen aufgerufen. Der Streik wurde von so verschiedenen Institutionen wie dem Fußball-Topclub FC Barcelona oder der weltberühmten Basilika Sagrada Familia unterstützt, die geschlossen blieb.

König kritisiert Regionalregierung

Nach den Protesten schaltete sich König Felipe VI. mit scharfer Kritik an der Regionalregierung erstmals in den Konflikt ein. Die Führung in Barcelona bewege sich »außerhalb des Gesetzes« und setze »die wirtschaftliche und soziale Stabilität Kataloniens und ganz Spaniens aufs Spiel«, sagte der Monarch am späten Abend in einer Fernsehansprache an die Nation. Es liege »in der Verantwortung des Staates, die verfassungsmäßige Ordnung sicherzustellen.« Am Sonntag hatte in Katalonien ein umstrittenes, gerichtlich verbotenes Referendum über eine Abspaltung von Spanien stattgefunden. Die von Madrid entsandte Staatspolizei griff teilweise hart durch, um die Abstimmung zu verhindern; dabei wurden nach Angaben der Regionalregierung rund 900 Menschen verletzt.

Gegen diesen harten Einsatz richtete sich der Massenprotest am Sonntag, bei dem überwiegend Partystimmung herrschte. Tausende sangen die katalanische Nationalhymne und riefen Parolen wie: »Die Straßen gehören uns« oder »Besatzungskräfte raus«, als ein Hubschrauber der Nationalpolizei über sie hinwegflog.

Die Zentralregierung prangerte zur selben Zeit in Madrid eine »Verfolgung« von Staatsbeamten durch die Katalanen an. Man werde »alles Nötige unternehmen«, um die Verfolgung zu stoppen, warnte Innenminister Juan Ignacio Zoido.

Währenddessen bereitete sich die Regionalregierung von Carles Puigdemont weiter auf die Ausrufung der Unabhängigkeit vor. Abgeordnete erklärten laut Medienberichten, das Regionalparlament in Barcelona komme am heutigen Mittwoch zusammen, um einen Termin für die Sitzung festzulegen, bei der die Unabhängigkeitserklärung lanciert werden soll.

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