18. Juni 2017, 23:33 Uhr

Beispiellose Ehre für Kohl

18. Juni 2017, 23:33 Uhr
Avatar_neutral
Von DPA
Die Kanzlerin trauert um den Altkanzler: Angela Merkel trägt sich in das Kondolenzbuch für Helmut Kohl ein. (Foto: dpa)

Brüssel/Ludwigshafen (dpa). Als erste Persönlichkeit in der Geschichte der EU soll Helmut Kohl mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden. Der von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angeregte Staatsakt für den gestorbenen Altkanzler soll binnen zwei Wochen im Europaparlament in Straßburg stattfinden. Der genaue Termin und die Details seien aber noch offen, sagte eine Kommissionssprecherin am gestrigen Sonntag. Einen solchen Staatsakt hat es noch nie gegeben, die Ehrung ist beispiellos.

Sohn erfährt vom Tod aus Radio

Juncker begründet die Initiative in der »Bild am Sonntag« damit, dass Kohl einer von nur drei europäischen Ehrenbürgern war – neben dem europäischen Gründervater Jean Monnet und dem früheren Kommissionspräsidenten Jacques Delors – sowie Wegbereiter des Euro. Auch sei es Kohls Wunsch gewesen, hieß es in Brüssel. An dem Staatsakt sollen EU-Spitzenvertreter und politische Weggefährten Kohls teilnehmen. Die Details würden nun ausgearbeitet und ein Termin gesucht, sagte die Sprecherin. Informationen der »Bild am Sonntag«, wonach Kohls Leichnam nach dem Staatsakt mit dem Schiff über den Rhein zur Totenmesse in seine rheinland-pfälzische Heimat nach Speyer gebracht werden soll, bestätigte sie nicht. Die Organisation beginne erst.

Selbstverständlich wäre das Land sehr geehrt, wenn eine solche Zeremonie in Kohls rheinland-pfälzischer Heimat stattfinden würde, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im ZDF. »Aber es ist genauso klar, dass die Familie dazu das letzte Wort hat.« Die Bundesregierung äußerte sich zunächst nicht zu den geplanten Trauerfeierlichkeiten. Kohl sollte zunächst in seinem Haus in Oggersheim aufgebahrt bleiben.

Der Altkanzler war am Freitag im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben, in dem er mit seiner zweiten Frau Maike Kohl-Richter lebte. Kohls Söhne Walter und Peter hatten in den vergangenen Jahren kaum noch Zugang zu ihrem Vater – Walter Kohl erfuhr aus dem Radio vom Tod seines Vaters.

Mit Kondolenzbüchern, Trauerbeflaggung und Gedenkwachen wird in ganz Deutschland an Kohl erinnert. Die CDU legte in ihrer Zentrale in Berlin ein Kondolenzbuch aus und richtete ein weiteres im Internet ein. Seit Sonntag liegt auch im Bundeskanzleramt ein Kondolenzbuch aus. Der frühere SPD-Vorsitzende Rudolf Scharping plädierte in der »Welt am Sonntag« dafür, Straßen und Plätze nach Helmut Kohl zu benennen. Kohls Haus in Oggersheim war auch gestern ein Ort der Trauer. Menschen legten Blumen ab und verharrten in Stille. (Seite 4)



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos