06. März 2020, 22:34 Uhr

»Auftrag noch nicht erfüllt«

06. März 2020, 22:34 Uhr
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Von DPA

Berlin - Zum Internationalen Frauentag hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Gesellschaft dazu aufgerufen, weiter beharrlich für Gleichberechtigung zu kämpfen. »Mehr als 70 Jahre nach der Verabschiedung des Grundgesetzes ist der große Auftrag der Gleichberechtigung noch lange nicht erfüllt«, sagte Steinmeier am Freitag bei einem Empfang für den Deutschen Frauenrat im Schloss Bellevue in Berlin. Zugleich betonte er, Frauenrechte seien nicht die Sache allein von Frauen. »Sie sind unsere gemeinsame Sache, die Sache von Demokratinnen und Demokraten.« Steinmeier riet Männern, ab und zu die Perspektive der Frauen einzunehmen.

Der Internationale Frauentag am 8. März hat seine Wurzeln in der Arbeiterinnenbewegegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Der Bundespräsident kritisierte: »Noch immer werden Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen übergangen. Noch immer halten sie deutlich weniger Reden im Parlament. Noch immer ist es für viele schwierig, Beruf und Familie zu vereinbaren.« Dazukämen neue Probleme wie die Benachteiligung in der digitalen Arbeitswelt.

In einer Debatte im Bundestag sagte auch Familienministerin Franziska Giffey: »Gleichstellung ist kein Naturgesetz.« Die SPD-Politikerin wies dabei auch auf den niedrigen Frauenanteil im Bundestag hin. Mit 31 Prozent der Abgeordneten sei der Anteil im Vergleich zur letzten Legislaturperiode sogar gesunken. Giffey forderte 50 Prozent.

Rückfall in alte Rollenmuster

Zugleich warb sie für ihre Pläne zur Einführung einer Frauenquote in den Vorstandsetagen großer Unternehmen. Giffey will erreichen, dass dort mindestens eine Frau sitzt. Das soll für Aktiengesellschaften mit mehr als 2000 Mitarbeitern und mindestens vier Vorstandsmitgliedern gelten.

Steinmeier sagte, zu sehen sei heute auch, dass die Errungenschaften der Frauenbewegung jederzeit rückgängig gemacht werden könnten. »Wir erleben eine weltweite Faszination für Autoritäres, eine Sehnsucht nach ›starken Männern‹, einen Rückfall in alte Rollenmuster. Wir erleben, wie Politiker, die mit ihrem Sexismus prahlen, in höchste Ämter gewählt werden; wie auch bei uns in Deutschland der Frauenanteil in Parlamenten sinkt; wie im Internet Frauenhass und antifeministische Hetze um sich greifen.« Es sei die Aufgabe von Politik, Polizei und Justiz, Frauen zu schützen. dpa » Seite 4



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