13. August 2017, 23:07 Uhr

Attacke gegen Autobosse

13. August 2017, 23:07 Uhr

Berlin (dpa). Mit scharfen Attacken auf die Autobosse und einem Schulterschluss im Korea-Konflikt starten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr SPD-Rivale Martin Schulz in die heiße Wahlkampfphase. Merkel verlangte am Wochenende von den großen deutschen Autobauern ein stärkeres Engagement für moderne Antriebstechnologien, bezeichnete aber die von Schulz geforderte europaweite Quote für Elektroautos als undurchdacht. Der SPD-Chef sprach mit Blick auf die Autoindustrie von »verantwortungslosen Managern«. Bis zur Bundestagswahl sind es noch sechs Wochen. Für beide Politiker war es der Auftakt einer Vielzahl von Wahlkampfterminen.

Obwohl die Union in Umfragen mit knapp 40 Prozent derzeit deutlich vor der SPD liegt, rief Merkel ihre Partei zu einem engagierten Wahlkampf auf: »Wir müssen werben, wir müssen kämpfen, wir müssen eintreten für unsere Anliegen.« Schulz gab sich trotz der schlechten Werte selbstbewusst: »Ich rechne damit, dass ich eine gute Chance habe, die nächste Bundesregierung anzuführen«, sagte er im Sommerinterview der ZDF-Sendung »Berlin direkt«. »Ich werde Kanzler«, ergänzte er. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann kündigte im »Tagesspiegel« eine Ende der »Schonzeit« für die Kanzlerin an.

Merkel sagte am Samstag bei einer Veranstaltung des CDU-Arbeitnehmerflügels in der SPD-Hochburg Dortmund, weite Teile der Autobranche hätten »unglaubliches Vertrauen« verspielt. »Das, was man da unter den Tisch gekehrt hat, oder wo man Lücken in den Abgastests einfach massiv genutzt hat bis zur Unkenntlichkeit, das zerstört Vertrauen.« Die Konzerne müssten ihre Aktivitäten für Zukunftstechnologien jetzt deutlich ausbauen. »Die Frage, ob die deutsche Automobilindustrie diese Zeichen der Zeit erkannt hat, wird über ihre Zukunft entscheiden. Und damit über Hunderttausende von Arbeitsplätzen.«

Schulz versuchte, sich in dieser Debatte mit einer teils noch schärferen Wortwahl von Merkel abzugrenzen. »Millionenschwere Manager bei VW, bei Daimler« hätten die Zukunft »verpennt«, sagte er. Nun gebe es in der Abgasaffäre das Problem, dass die Dieselfahrer – hauptsächlich Pendler, kleine Handwerker, Lieferanten – »die Zeche zahlen« sollten.

In der sich zuspitzenden Krise zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkorea demonstrierte Schulz Einigkeit mit Merkels diplomatischem Kurs. »Es gibt Situationen, da muss ein Volk zusammenhalten«, sagte der SPD-Kandidat. Er wolle den Konflikt nicht zum Wahlkampfthema machen.

Abseits dessen unterstrich die Kanzlerin, die Arbeitslosigkeit bis 2025 halbieren zu wollen. Schulz betonte, sich für eine bessere Ausstattung und Bezahlung der Polizei einsetzen zu wollen. Bei einem Wahlsieg werde er Ministerpräsidenten und die Innenminister der Länder an einen Tisch holen und einheitliche Regeln einfordern. (Seite 4)

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