31. Mai 2017, 22:48 Uhr

Anschlag vor der deutschen Botschaft

31. Mai 2017, 22:48 Uhr
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Von DPA

Bei einem verheerenden Bombenanschlag in unmittelbarer Nähe der deutschen Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 80 Menschen getötet worden. Rund 460 Menschen wurden verletzt, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, Wahidullah Madschroh, am ges-trigen Abend sagte. Zuvor war von rund 350 Verletzten die Rede. Nach Angaben einer Sprecherin des Auswärtigen Amtes wurde eine deutsche Diplomatin leicht und eine afghanische Mitarbeiterin der Botschaft schwer verletzt. Ein afghanischer Wächter wurde getötet.

Explosion in belebtem Viertel

Das Hauptgebäude der Botschaft im Diplomaten- und Regierungsviertel wurde massiv beschädigt. Wie Fotos zeigen, sprengte die Explosion am gestrigen Morgen unter anderem Dutzende Fensterscheiben heraus.

Ob die deutsche Botschaft das Ziel des Anschlags war, blieb unklar. »Im Moment haben wir dazu noch kein vollständiges Lagebild«, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. In dem Viertel liegen noch viele andere Botschaften, der Präsidentenpalast, das NATO-Hauptquartier und viele afghanische Ministerien.

Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu dem Anschlag. Die radikalislamischen Taliban ließen aber verlauten, sie seien es nicht gewesen. Ähnliche Anschläge hatte zuletzt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamiert. Es ist der achte schwere Anschlag in Kabul seit Jahresbeginn. Dabei wurden Hunderte Menschen getötet oder verletzt.

Die Bombe detonierte gestern gegen 8.30 Uhr (Ortszeit) an einer viel befahrenen, engen Straße, die an beiden Seiten von hohen Sprengschutzmauern begrenzt wird. Tausende Menschen waren zu der Zeit auf dem Weg zur Arbeit.

Der Sprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch, sagte, die Attentäter hätten vermutlich den Sprengstoff in einem Tanklastwagen versteckt. Die Wucht habe mindestens 50 Fahrzeuge zerstört.

Bilder zeigten geschwärzte Autowracks, verbrannte Bäume, mit Geröll übersäten Asphalt und die deutsche Botschaft, deren Fassade mit den herausgesprengten Fensterrahmen so nackt wirkte wir die eines Rohbaus. Auf der noch unvollständigen Liste der Toten stehen bereits Regierungsmitarbeiter, ein religiöser Führer, Fahrer und Journalisten. Vor den Kliniken bildeten sich lange Schlangen von Menschen, die Angehörige suchten.

Mit den Sicherheitsvorkehrungen der deutschen Botschaft vertraute Quellen sagen, es sei geplant gewesen, Büros in andere Gebäude weiter im Inneren des Geländes zu verlegen. Man habe sich in diesem Haus an einer belebten Straßenecke exponiert gefühlt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich entsetzt. »In Momenten wie diesen wird uns einmal mehr klar: Der Terrorismus kennt keine Grenzen. Er zielt auf uns alle – ob in Manchester oder Berlin, Paris, Istanbul, Sankt Petersburg oder heute Kabul«, sagte sie. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Bombenanschlag als abscheulich. »Bei unseren Bemühungen gegen den Terror werden wir auch in Zukunft zusammenstehen«, schrieb Steinmeier in einem Telegramm an den afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani.

Ghani verurteilte den Anschlag als unmenschlich und berief eine Sondersitzung ein. Der Spezialgesandte der Vereinen Nationen, Tadamichi Yamamoto, bezeichnete die Zündung einer massiven Lastwagenbombe in einer Gegend mit so vielen Zivilisten im heiligen Fastenmonat Ramadan als grauenvoll. (Seite 4) (dpa/Foto: dpa)



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