15. August 2017, 23:03 Uhr

Air Berlin ist pleite

15. August 2017, 23:03 Uhr

Air Berlin will trotz Insolvenz mitten in der Ferienzeit weiter fliegen. »Alle Flüge der Air Berlin und Niki finden weiterhin statt«, versicherte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft gestern. Zuvor hatte die chronisch defizitäre Airline einen Insolvenzantrag gestellt. Der Bund sichert aber mit einem Kredit den Flugbetrieb bis etwa Ende November, wie Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte. Bis dahin könne die Lufthansa Teile der insolventen Fluggesellschaft übernehmen. Air Berlin mit rund 8600 Beschäftigten schreibt seit Jahren Verluste und hielt sich vor allem durch Finanzspritzen ihres Großaktionärs Etihad noch in der Luft. Am Freitag drehte die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate den Berlinern den Geldhahn zu. Mit dem Kredit von 150 Millionen Euro stellt nun der Bund den Flugbetrieb vorerst sicher.

»Die Flugpläne bleiben gültig, gebuchte Tickets behalten ihre Gültigkeit, alle Flüge sind weiterhin buchbar«, teilte das Unternehmen mit, das täglich rund 80 000 Passagiere befördert. Der Touristikexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Felix Methmann, erklärte, sollten Flüge nicht durchgeführt werden, treffe das vor allem Passagiere, die sich selbst ein Ticket gekauft haben. Anders als bei Pauschalreisen greife keine Absicherung. »Sie können nur hoffen, dass die Flüge stattfinden«, sagte Methmann. Der Verband habe seit Jahren einen Insolvenzschutz für alle Flugreisenden gefordert. »Jetzt rächt sich die Untätigkeit der Bundesregierung und der EU.«

Die Lage bei Air Berlin hatte sich seit Ende März verschärft. Mit der Umstellung auf den Sommerflugplan häuften sich Flugausfälle und Verspätungen. Man sei »zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Air Berlin PLC keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht«, hieß es in einer Air-Berlin-Pflichtmitteilung an die Börse.

Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ordnete gestern die Insolvenz in Eigenverwaltung an – das bedeutet, dass das bisherige Management um Vorstandschef Thomas Winkelmann für die Geschicke des Unternehmens verantwortlich bleibt. Sachwalter ist der Rechtsanwalt Lucas Flöther, der zuletzt den insolventen Fahrradhersteller Mifa in Sachsen-Anhalt rettete und bei der Pleite des Internet-Riesen Unister in Leipzig die Insolvenzverwaltung übernommen hatte. Air Berlin verhandelt nach eigenen Angaben mit der Lufthansa »und weiteren Beteiligten« über den Verkauf von Teilen des Unternehmens. Diese Verhandlungen könnten »zeitnah« abgeschlossen werden. (Seite 3)

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