19. Mai 2017, 23:09 Uhr

Ab ins Ausland

19. Mai 2017, 23:09 Uhr

Vor dem Hintergrund schwerer innenpolitischer Turbulenzen ist US-Präsident Donald Trump zu seiner mit Spannung erwarteten ersten Auslandsreise aufgebrochen. Trump bestieg gestern Nachmittag (Ortszeit) auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Joint Base Andrews außerhalb von Washington die Präsidentenmaschine Air Force One. An seiner Seite war Ehefrau Melania. Insgesamt besucht der 70-Jährige in acht Tagen fünf Länder. Er reist zu den Heimstätten der drei großen monotheistischen Weltreligionen: des Judentums, des Islam und des Christentums. Verbunden mit Gipfeltreffen der NATO und der G7, hat die Reise aber einen eher geostrategischen als einen religiösen Charakter. Die Reise wird von großen Spannungen und viel Unsicherheit begleitet. Der Präsident steht wegen der Entlassung von FBI-Chef James Comey und den Ermittlungen in der Russland-Affäre unter Druck.

Unmittelbar nach seinem Abflug sind in US-Zeitungen neue schwere Vorwürfe gegen Trump laut geworden. Bei einem Treffen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow in der vergangenen Woche habe der US-Präsident erklärt, der Rauswurf von FBI-Chef James Comey habe Druck aus den Ermittlungen wegen der angeblichen Verstrickungen des Trump-Wahlkampflagers mit Russland genommen, berichtete die »New York Times«. »Ich habe gerade den Chef des FBI gefeuert«, sagte Trump der »New York Times« zufolge im Oval Office des Weißen Hauses zu Lawrow und dem russischen US-Botschafter Sergej Kislyak. »Er war verrückt, ein echter Spinner«, sagte Trump laut einer Aufzeichnung des Gesprächs, das der Zeitung vorgelesen wurde. »Ich habe wegen Russland einen großen Druck verspürt. Der ist jetzt weg«, sagte Trump demnach.

Trump wird am heutigen Samstag in Riad in Saudi-Arabien eintreffen. Dort trifft er König Salman zum Tee und nimmt bis Montag an einem Treffen des Golfkooperationsrates sowie an einem Gipfeltreffen von 50 islamischen Ländern teil. Bei diesem Treffen wird Trump eine Rede halten, in der er eine weltweit friedvolle Vision des Islam umreißen will. Am Montag reist Trump nach Israel. Er trifft Präsident Reuven Rivlin und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Als erster amtierender US-Präsident besucht er die Klagemauer, außerdem legt er einen Kranz in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem nieder. Am Dienstag trifft Trump in Bethlehem Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, den er erst kürzlich im Weißen Haus empfangen hat. Danach reist Trump nach Italien weiter.

Für Mittwoch ist ein Treffen mit Papst Franziskus vorgesehen, der ihn wegen seiner Haltung zu den Themen Einwanderung und Flüchtlinge kritisiert hat. Nach der Weiterreise nach Brüssel trifft Trump am Mittwochnachmittag den belgischen König Philippe und Belgiens Premier Charles Michel. Am Donnerstag folgen Treffen mit den Spitzen der Europäischen Union und ein Arbeitsessen mit Frankreichs neuem Präsidenten Emmanuel Macron. Höhepunkt ist ein NATO-Gipfel in Brüssel mit Staats- und Regierungschefs aus 25 Ländern. Trump pocht bei den Verbündeten auf eine Erhöhung ihrer Verteidigungsausgaben.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat sich geschockt von der Amtsführung des US-Präsidenten Donald Trump gezeigt und vor eine drohenden Handlungsunfähigkeit der USA gewarnt. »Was wir jeden Tag aus dem Weißen Haus hören, macht einen schon fassungslos. So bitter es ist, aber bei der Berichterstattung über Donald Trump weiß man mitunter nicht, ob man gerade ›heute-Show‹ oder ›heute-Journal‹ schaut«, sagte Maas der »Passauer Neuen Presse«. Trump säge mit seiner Unbeherrschtheit am eigenen Stuhl. (dpa/Foto: dpa) (Seite 5)

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