11. September 2019, 20:16 Uhr

Ikone der Zivilcourage

11. September 2019, 20:16 Uhr
Ein Denkmal für Dominik Brunner steht auf dem Bahnsteig der Station Solln.

München (dpa). Anfangs geht es um 15 Euro. Jugendliche bedrängen am Münchner S-Bahnhof Donnersbergerbrücke eine Gruppe jüngerer Schüler und verlangen von ihnen Geld. Der Vorfall endet ein paar S-Bahn-Stationen weiter am Bahnhof Solln mit einer tödlichen Schlägerei. Der Geschäftsmann Dominik Brunner will die 13- bis 15-Jährigen vor den Angreifern schützen - er stirbt Stunden später im Krankenhaus.

Der Fall vom 12. September 2009 machte Zivilcourage zum gesellschaftlichen Thema. Zu seinem zehnten Todestag erinnern Politiker und Wegbegleiter an den Mann, der in diesem Jahr 60 Jahre alt geworden wäre. Heute werden zu seinem Gedenken am Tatort unter anderem Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn, Klaus-Dieter Josel, und Uli Hoeneß als Kuratoriumsvorsitzender der Dominik-Brunner-Stiftung erwartet.

»Brunner hat nicht weggeschaut. Das ist das Beispiel, das wir würdigen wollen«, sagt Andreas Voelmle, Vorstandsmitglied der Stiftung. Angehörige, Freunde und Weggefährten hatten die Stiftung zu Brunners Andenken gegründet. Sie besteht am 17. November zehn Jahre. Seitdem klärt die Organisation an Schulen über gewaltfreie Konfliktlösungen auf, betreut in einer Münchner Einrichtung Kinder aus schwierigen Verhältnissen und unterstützt Menschen oder deren Angehörige, die wegen ihres selbstlosen Handelns unverschuldet in Not geraten sind. Die Stiftung will gegen Gewalt mobilisieren und Menschen zu Zivilcourage ermutigen.

Voelmle sieht seit dem Tod Brunners durchaus eine Entwicklung. Er habe vor allem den Eindruck, dass sich Menschen in Konfliktsituationen stärker zusammentun, um zu helfen, dass auch Unbekannte spontan gemeinsam Teams bilden. »Da hat sich im Bewusstsein etwas verändert.«

In Solln war Brunner damals mit den Schülern ausgestiegen. Er stellt sich vor sie. Er ist derjenige, der zuerst zuschlägt. Das Gericht sieht das später als Notwehr in Erwartung eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs. Die Jugendlichen schlagen daraufhin auf ihn ein, treten ihn, als er schon am Boden liegt. Brunner verliert das Bewusstsein. Die Ärzte können ihn nicht retten. Brunner stirbt aber nicht an den Folgen der Schläge, wie die Obduktion ergibt, sondern an einem Herzstillstand infolge eines vergrößerten Herzmuskels.

Die 17 und 18 Jahre alte Schläger werden festgenommen. Der Haupttäter wird im Jahr darauf zu neun Jahren und zehn Monaten Jugendstrafe wegen Mordes verurteilt. Der zweite Täter bekam sieben Jahre wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge.

Es gab auch Kritik an Brunners Verhalten. Er habe überreagiert, hieß es gelegentlich. Voelmle will darüber nicht richten. »Ich mag mir da kein Urteil erlauben. Das sind Stresssituationen - da kann man im Nachhinein klug daherreden.« Der Fall habe aufgerüttelt und gezeigt, »dass man sich dem Thema widmen muss«. (Foto: dpa)

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