19. Mai 2017, 16:04 Uhr

Beste Qualität auf die Ohren

19. Mai 2017, 16:04 Uhr
Was HD für die Augen ist, soll HiRes Audio für die Ohren sein. Von hochaufgelöster Musik spricht man, wenn die Abtastrate des Audiosignals und die Auflösung größer sind als im üblichen Hifi-Bereich. (Foto: dpa)

Seit mehr als drei Jahrzehnten ist die CD in den meisten deutschen Wohnzimmern zu Hause. Das wird erstmal auch so bleiben – aber klanglich hat die Compact Disc Konkurrenz bekommen.

Für Musikfans soll künftig an hochauflösenden Audiodateien kein Weg mehr vorbeiführen. Unter dem Schlagwort High Resolution (HiRes) Audio wird eine Qualität jenseits der CD versprochen.

»HiRes Audio ist ein schillernder und nicht klar definierter Begriff«, sagt Prof. Karlheinz Brandenburg, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie in Ilmenau. »Üblicherweise reden wir von HiRes, wenn die Abtastrate des Audiosignals und die Auflösung größer definiert sind als im üblichen Hifi-Bereich.«

Im Detail bedeutet dies eine höhere Abtastrate als 48 Kilohertz, etwa 96 oder 192 Kilohertz, sowie eine Auflösung jenseits von 16 Bit. Brandenburg zufolge ist die höhere Auflösung insbesondere im Studio sehr wichtig – bei der Verarbeitung des Tonsignals könnten ansonsten Störungen erzeugt werden, die hörbar sind.

Hifi-Spezialist Bernhard Rietschel erinnert daran, dass mit DVD-Audio und SACD die ersten hochauflösenden Digitalmedien bereits um die Jahrtausendwende auf den Markt kamen, ohne sich erfolgreich durchsetzen zu können. »HiRes-Inhalte werden heute praktisch ausschließlich in Dateiform gehandelt, sprich als Downloads über Portale wie Highresaudio.com, Linnrecords.com und viele andere.«

Auch der Streaming-Dienst Tidal bietet HiRes-Inhalte an. »Dabei setzt Tidal auf ein Dateiformat namens MQA, das aber nicht unumstritten ist«, so Rietschel. So erfolge damit eine nicht verlustfreie Komprimierung. Zudem handele es sich um ein geschlossenes Format, das auf entsprechend lizenzierte Wiedergabegeräte angewiesen ist.

Zum Abspielen der hochauflösenden Dateien dienen entweder PCs oder Macs, die häufig mit speziellen Abspielprogrammen und externen D/A-Wandlern veredelt werden, oder Hifi-spezifische Netzwerkspieler. Für unterwegs gibt es eine große Auswahl HiRes-tauglicher Player.

Abspielgeräte benötigt

»Zum Hören zu Hause braucht man im Minimalfall einen PC«, sagt Rietschel. »Das typische Hifi-Szenario besteht – neben üblichen Komponenten wie Boxen und Verstärkern – aus einem hochwertigen Netzwerkspieler, einem NAS-Server sowie einem Tablet oder Smartphone zur komfortablen Steuerung.« Brandenburg zufolge sind die Abspielgeräte heute fast alle so gut, dass sie auf die Wiedergabequalität hochauflösender Audiodateien wenig bis gar keinen Einfluss ausüben. Hingegen lohne es sich, für Lautsprecher und Kopfhörer etwas mehr Geld auszugeben; sie sind die schwächsten Glieder in der Kette.

»Ob es überhaupt einen klanglichen Unterschied zwischen CD und HiRes Audio gibt, ist umstritten. Verschiedene Hörtests konnten bisher keinen signifikanten Unterschied zwischen HiRes Audio und der CD nachweisen«, sagt Susanne Rath, Geschäftsfeldleiterin AV- und Produktionssysteme vom Institut für Rundfunktechnik in München. Allerdings gebe es Menschen, für die HiRes-Dateien wesentlich klarer und detailreicher klingen.

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man HiRes Audio nicht im Vergleich mit der CD, sondern mit verlustreichen Komprimierungen wie MP3- oder AAC-Dateien betrachtet. Diese Codierungen basieren darauf, dass alle Anteile des Audiosignals, die für das menschliche Gehör unhörbar sind, nicht mit übertragen werden. Dadurch ergeben sich niedrige Datenraten, die oft Artefakte als Nebeneffekt haben. »Demgegenüber hat HiRes Audio sicherlich den klaren Vorteil der immer sehr guten Qualität«, sagt Rath. dpa

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