02. August 2017, 22:13 Uhr

Wunder Punkt: das Öl

02. August 2017, 22:13 Uhr
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Von DPA

Sie lieben beide große Menschenmengen, Twitter und das Verdrehen der Realität. Anfangs, da sah Nicolás Maduro noch ein Tauwetter aufziehen mit Donald Trump im Weißen Haus. Während viele Menschen in Caracas im Müll nach Essen suchen, spendete der Ölkonzern Citgo, der dem venezolanischen Staatskonzern PDVSA gehört, 500 000 Dollar für die Vereidigungsfeier Trumps am Washingtoner Capitol.

Doch jetzt geht der US-Präsident härter als Amtsvorgänger Barack Obama gegen Venezuelas Staatschef vor. Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster sagt: »Maduro ist nicht einfach nur ein schlechter Anführer, er ist jetzt ein Diktator.« Erster Schritt: Mögliche Vermögen des Sozialisten in den USA werden nun eingefroren, – nur gegen Kim Jong Un (Nordkorea), Robert Mugabe (Simbabwe) und Baschar al-Assad (Syrien) wurden bisher solche US-Sanktionen verhängt.

Aber das könnte erst der Anfang sein: Mit über 300 Milliarden Barrel hat Venezuela auf dem Papier die größten Reserven der Welt, knapp zwei Millionen Barrel werden pro Tag gefördert – und davon gehen satte 700 000 in die USA. Bei einem Preis von derzeit 43 Dollar für Öl aus Venezuela sind das etwa 30 Millionen Dollar am Tag und 10,9 Milliarden Dollar im Jahr.

Maduro ist von den USA abhängig; das ist der wunde Punkt. »Wir prüfen alle unsere politischen Optionen«, betont Außenminister Rex Tillerson, zuvor Chef des Ölmultis ExxonMobil. Maduro scheint aber in die Enge getrieben, unberechenbar, und lässt den von Trump unterstützten Oppositionsführer Leopoldo López ins Gefängnis werfen.

Sturz aus eigenen Reihen?

Mit dem Militär im Rücken scheint Maduro gewillt, nach Augusto Pinochet in Chile die erste offene Diktatur in Südamerika seit fast 30 Jahren zu errichten. Aber hinter der Fassade brodelt es – er hat voll auf die Karte des »schwarzen Goldes« gesetzt, das ist zum Fluch geworden. Venezuela hat eine marode Ölindustrie, die Förderkosten sind hoch, die Förderung eingebrochen, raffiniertes Öl für Benzin muss sogar teilweise aus den USA importiert werden. Es ist das billigste der Welt, wegen der Rekordinflation gibt es für einen Euro weit über 1000 Liter Benzin. Diese Subventionen kosten mehrere Milliarden Dollar im Jahr, das Geld fehlt für den Lebensmittel-Import. Ein Stopp der Ölimporte könnte die Zahlungsunfähigkeit bewirken und damit den Druck auf Maduro in der eigenen Reihen so erhöhen, dass er gestürzt wird.



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