18. April 2017, 21:29 Uhr

Wieder ein Brückenbauer

18. April 2017, 21:29 Uhr
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Von DPA
Der Neue und der Alte: Peter Kohlgraf (l.), künftiger Bischof von Mainz, und sein Vorgänger Karl Kardinal Lehmann bei der Vorstellung im Dom. Kohlgraf war bisher Dekan des Fachbereichs Praktische Theologie an der katholischen Hochschule Mainz. (Foto: dpa)

Die Fußstapfen im Mainzer Bistum sind groß. Kardinal Karl Lehmann war 33 Jahre Bischof in der Domstadt, elf Jahre lang Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er ist allseits beliebt und weltweit angesehen. Sein Nachfolger Peter Kohlgraf wird das Amt als 88. Nachfolger des heiligen Bonifatius übernehmen. So große Ambitionen wie viele seine Vorgänger, versichert Kohlgraf, habe er nicht. Kardinal? Er zuckt mit den Schultern. Vorsitz der Bischofskonferenz? »Ehrlich gesagt: Nee.«

Der 50-Jährige ist kein Unbekannter als Dekan der Katholischen Theologie in der Katholischen Hochschule Mainz – dennoch gilt er als Überraschung für den Bischofsposten. Er habe nicht nach dem Bischofsamt gestrebt, sagt er. »Ich habe wirklich gerne als Professor gearbeitet.« In seinem Leben habe er nichts ändern wollen. »Eigentlich hatte ich mir gedacht: Jetzt noch schön 17 Jahre Professor und dann wohnst du in deinem Häuschen im Rheinhessischen.«

Kohlgraf weiß um die Bedeutung des Amtes. Die Domglocken unterstreichen das am gestrigen Dienstag, als sie 15 Minuten lang mit vollem Geläut von der großen Neuigkeit künden. Drinnen unter der romanischen Kuppel steht Kohlgraf vor dem Mikrofon und spricht zu den Menschen, die sich spontan versammelt haben. Er entschuldigt sich, dass er sich wegen der Aufregung an sein Manuskript halten werde. »Ich bitte alle, die bei uns im Bistum leben, die kommenden Wege gemeinsam mit mir zu gehen«, sagt er. Und bekommt langen Beifall. Der neue Bischof, dessen Weihetermin noch nicht feststeht, will die Menschen mitnehmen. Das schätzt sein Vorgänger an ihm. »Er hat sich als ein Mensch des Zuhörens gezeigt«, sagt Lehmann. »Das scheint mir die wichtigste Voraussetzung.« Kohlgraf könne die Theologie gut mit praktischer Lebensweise verbinden. Das habe er als Pfarrvikar in der Pfarrgruppe Wörrstadt im rheinhessischen Dekanat Alzey/Gau-Bickelheim gezeigt.

Lehmann und Kohlgraf: Beide sind bodenständig, setzen auf Dialog und das Miteinander. »Bischof ist man mit anderen und für andere, eine Gemeinschaft, ja, ein Leib, dessen Glieder füreinander da sind«, sagt Kohlgraf. Der Titel eines Buches von ihm über den Theologen Yves Congar heißt »Nur eine dienende Kirche dient der Welt«. Beide gelten als Brückenbauer. Lehmann setzt sich für die Ökumene ein, Kohlgraf für die Brücken zwischen Theologie, Frömmigkeit und der pastoralen Praxis der Kirche. Auch will Kohlgraf sich wie Lehmann zu gesellschaftlichen Themen äußern – Lehmann hatte seine Meinung unter anderem zur AfD, zu Atommüll, Flüchtlingen und Mindestlohn kundgetan. Er werde Aussagen wohldosiert tätigen, kündigt Kohlgraf an: »Wenn, dann soll es sitzen.«

In seiner ersten Rede im Dom erzählt Kohlgraf aus seinem Leben. Seine Mutter, eine Krankenschwester, habe ihm mit auf den Weg gegeben, die Wunden von Menschen zu berühren und zu heilen. Von seinem Vater, einem Maurer, habe er gelernt: Ein Haus zu bauen – in dem Fall die Kirche – braucht Geduld und Sorgfalt. Das Bistum Mainz hat eine neue Wohnung für den neuen Bischof einrichten lassen, damit der 80 Jahre alte Lehmann im Bischofshaus wohnen bleiben kann. Ein goldenes Bad werde es darin nicht geben, sagt Lehmann in Anspielung auf die prunkvolle Einrichtung der Wohnung des früheren Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst. »Was wichtig wäre: Mein Flügel muss da reinpassen. Ich mache Musik.« Lehmann freute sich über die Berufung seines Nachfolgers. Kohlgraf habe »das Ohr an den Menschen«, bescheinigt er ihm.



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