18. Oktober 2017, 22:03 Uhr

Vision entwickeln

18. Oktober 2017, 22:03 Uhr
JU

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist noch nicht einmal vollständig besiegt, schon zerfällt das Bündnis, das gegen sie gekämpft hat. Eine Reihe neuer bewaffneter Auseinandersetzungen droht. Das liegt auch daran, dass es die internationale Allianz gegen den Islamischen Staat versäumt hat, einen vernünftigen Plan für die Zeit nach einer Rückeroberung der vom IS besetzten Gebiete auszuarbeiten. So stehen sich jetzt ehemalige Verbündete feindselig gegenüber.

Dass die Gruppen von dem westlichen Militärbündnis unter Führung der USA bewaffnet und geschult wurden, macht die Situation brandgefährlich. Streitkräfte der kurdischen Gebiete im Nordirak, die sogenannten Peschmerga, wurden auch mit deutschen Gewehren und Panzerabwehrraketen ausgerüstet, von Bundeswehrsoldaten ausgebildet. Im Kampf gegen den IS haben die Kurden in den vergangenen Jahren einen hohen Blutzoll gezahlt, jetzt fordern sie im Nordirak endlich einen eigenen Staat.

Doch dagegen gibt es erbitterten Widerstand von gleich mehreren Seiten. Die Zentralregierung in Bagdad will einen Zerfall des wackeligen Staatsgebildes um jeden Preis verhindern. Auch der Iran und die Türkei fürchten, dass bei den Kurden in ihren Staaten der Drang nach Unabhängigkeit noch stärker werden könnte, dass sich am Ende Gebiete abspalten. Es geht um Land, es geht um Öl. Der alte innerislamische Konflikt zwischen der schiitischen, vom Iran dominierten, und der sunnitischen, von Saudi-Arabien angeführten Glaubensrichtung spielt massiv in die Auseinandersetzung hinein.

Auch die Lage im benachbarten Syrien, wo die Assad-Regierung mit russischer Hilfe viele Gebiete zurückerobert hat, andere aber noch von Kämpfern der Anti-IS-Koalition gehalten werden, macht jeden Versuch, die Weichen für einen Frieden zu stellen, unendlich kompliziert.

Die USA stehen als Führungsmacht nur begrenzt zur Verfügung. Dass US-Präsident Donald Trump gerade jetzt das Atomabkommen mit dem Iran infrage stellt, macht die Sache nicht besser. Dabei wäre gerade jetzt ein ordnender Einfluss dringend nötig. Die Anti-IS-Koalition muss, auch unter Einbeziehung Russlands, dringend eine Vision entwickeln, wie es in und mit der kriegsgebeutelten Region weitergehen kann. Sonst drohen weiter Krieg, Chaos und Flüchtlingsströme.

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