13. September 2017, 21:38 Uhr

Verzweiflung

13. September 2017, 21:38 Uhr
JU

Das Duell war früher einmal ein Mittel, um einen Streit ein für allemal zu klären. Anders als gemeinhin angenommen, endete es nur in seltenen Fällen mit schweren Verletzungen oder gar dem Tod eines der Beteiligten. Unabhängig vom Ausgang galt die Beleidigung, die zum Duell geführt hatte, als gesühnt. Allein durch die Bereitschaft, sich dem Zweikampf zu stellen, war die Ehre wiederhergestellt.

Anders gesagt: Nach dem Duell war es dann auch gut. Zum Glück gehört der lebensgefährliche Duell-unfug der Vergangenheit an. Der Begriff aber hat überlebt, etwa im Sport oder in der Politik. Wenn Martin Schulz nun im Endspurt seines Bundestagswahlkampfs ein zweites TV-Duell mit Angela Merkel fordert, ist das nichts als Ausdruck seiner Verzweiflung. Dass Merkel ablehnen würde war klar. Dass wichtige Themen im direkten Aufeinandertreffen von Schulz und der Bundeskanzlerin nicht zur Sprache kamen, ist nicht ihre Schuld.

Der SPD-Kandidat hat seine Chance schlichtweg nicht genutzt. Obwohl er wusste, dass es seine einzige bleiben wird, Merkel direkt anzugreifen. Er trat nicht wie ein Gegner auf, sondern wie ein Bewerber um die Vizekanzlerschaft in einer großen Koalition. Schärfere Ansagen aus der Vergangenheit nahm er gleich eingangs zurück.

Angela Merkel hatte sich dem medialen Schlagabtausch gestellt, obwohl sie das Format nicht mag, obwohl ihr nach den Duellen gegen Gerhard Schröder, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück jeweils Niederlagen attestiert worden waren. Sie hat sogar gezeigt, dass sie inzwischen auch TV-Duell kann. Souverän nutzte sie ihren Amtsvorteil, gab die Staatslenkerin, die mit den Großen der Welt an der Lösung der großen Probleme unserer Zeit arbeitet. Und manövrierte Martin Schulz immer wieder aus, indem sie darauf verwies, dass seine SPD ja schließlich in den vergangenen vier Jahren alle wesentlichen Entscheidungen mitgetragen hat. Schulz hat es vermasselt, das wissen sie auch bei der SPD. Eigentlich müsste er ein zweites Duell sogar fürchten. Will er sich solange duellieren, bis das gewünschte Ergebnis herauskommt? Wenn Martin Schulz eine Neuauflage fordert, gesteht er damit nur seine Niederlage ein. Denn ob beim Boxen oder im Schach – Revanche fordert der Verlierer. Zum Glück aber entscheiden über den Sieg in der Politik nicht irgendwelche Duelle. Sondern ausschließlich die Wähler.



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