07. Juli 2017, 22:11 Uhr

Verheerend

07. Juli 2017, 22:11 Uhr
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Von Gerd Chmeliczek

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wer im Vorfeld des G20-Gipfels in Hamburg noch gehofft hatte, dass die befürchteten schweren Krawalle doch nicht stattfinden würden, der musste sich gleich am Donnerstag eines Besseren belehren lassen. Zahlreiche Verletzte, brennende Autos, schwerste Randale – eine Stadt im Ausnahmezustand. Die Gewalt-eskalation ist erschreckend, unbegreiflich, eine Schande.

Finanzminister Wolfgang Schäuble sagt aus Sicherheitsgründen eine Veranstaltung am Rande des Gipfels ab, das Partnerprogramm wurde geändert. Rauchwolken steigen über der Stadt auf, an fast jeder Ecke liefern sich Vermummte Auseinandersetzungen mit der Polizei. »Welcome to Hell« – »Willkommen in der Hölle«. Schon am Freitagmorgen bittet die Hamburger Polizei um weitere Unterstützung.

Die Kritik an den Beamten ließ nicht lange auf sich warten. Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Mittel wird gestellt. Dabei sollte man allerdings eines nicht vergessen: Die Demonstrationsfreiheit darf keine Einladung für Gewalt sein. Hamburg darf nicht zu einem rechtsfreien Raum werden. Jetzt die Polizei für diese angekündigten Exzesse verantwortlich zu machen, zeugt von einer sehr seltsamen Wahrnehmung der Dinge. Klar ist, dass der Mob, der mit Brandsätzen und Steinen argumentiert, die Anliegen der friedlichen Demonstranten mit Füßen tritt. Es gibt bestimmt gute Gründe, gegen die Mächtigen dieser Welt auf die Straße zu gehen. Diese Gründe aber werden von Gewalttätern gleich mit in Schutt und Asche gelegt. Ganz zu schweigen von der körperlichen Gefahr, in die sie Unbeteiligte und Unschuldige bringen.

Und wenn in den nächsten Tagen eine Bilanz gezogen wird, wenn Verletzte und Sachschäden aufgelistet sind, dann sollte man auch einmal darüber nachdenken, ob es sinnvoll war, den G20-Gipfel in einer Hochburg der Autonomen abzuhalten. Sicher, man darf vor den Gefahren, die ein solches Treffen mit sich bringt, nicht kapitulieren. Aber muss man sie herausfordern?

Was wird vom G20-Gipfel in Erinnerung bleiben? Bislang sind es nicht die Bilder von friedlichen Demonstrationen. Es sind Bilder von Gewalt und Chaos. Aber noch ist das Treffen ja nicht vorbei. Trump und Putin haben gestern zumindest einen Anfang gemacht. Wie gesagt, die Hoffnung stirbt zuletzt.



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